Korte Metten (6)

Pas de deux

Decoherence: „Unitarity“ (Sentinent Ruin)

Heute mal zwei Pärchen im Duett. Alles-Außer-True-Metal und Adult-Orientated-Pop, et voilá:

Decoherence – Unitarity (Sentinent Ruin)
Der stoische Impetus, mit dem dieses Zweitwerk das ZNS vermutlich nachhaltiger enerviert (und nötigt) als Covid-19, zementiert ein Prestige, das Mahlströme gleichermaßen auslöst und erstarren lässt. Im Black Metal fundiert, zieht das Präfix „Post“ seine rostigen und ausweglos konstruierten Kreise. Die vorgebliche Uniformität der Kompositionen verschleiert das brodelnde Ordinariat einer perpetuierenden Unrast nur unzureichend. Es dominiert faktisch das ausgefuchste Endspiel zwischen den handwerklichen Ursachen und der atmosphärisch impertinenten Artikulation einer schier undurchdringlichen Sogwirkung. Monolithisch der dunklen Materie huldigend, Angstlust als Emphase.

decoherence-uk.bandcamp.com

Convocation: „Ashes Coalesce“ (Sentinent Ruin)

Convocation – Ashes Coalesce (Sentinent Ruin)
Gegenüber Decoherence mutet das finnische Duo nahezu konventionell an. Lupenreiner Funeral Doom wird nur stellenweise gewährt. Vielmehr versteht man sich auf radikal entschleunigten Death Metal mit haarsträubenden Doom-Eskapaden. Statthafte Resignation weicht einer aggressiven Haltung, die aufbegehrt, – unbesehen des von jeglicher falscher Hoffnung fundamental befreiten Settings. Neben den aufpeitschenden Soundscapes überzeugt vor allem der vokale Vortrag des I. Iaaksonen: Mit einer auffallend großen Bandbreite des Ausdrucks gesegnet, gerät der “human touch” zur mentalen Tortur. Dass manche Tracks zuweilen als ein ganz klein wenig ziellos ersonnen anmuten, vermag den Impact in toto nicht zu schmälern.

facebook.com/ConvocationDoom

Janice Prix: „Waking“ (popup-records)

Janice Prix – Waking (popup-records)
Vom schwedischen Trollhättan (75 km nördlich von Göteborg) aus steuern die inzwischen zum Trio geschrumpften Newcomer vornehmlich jene Geschmacksknospen an, die längst auf gehobene Wave Pop-Aromen geeicht sind. Dennoch haben wir es eher nicht mit einem weiteren Editors-Klon zu tun, der mal mehr, mal weniger direkt beim allseits angesagten Postpunk anschließt. Denn Janice Prix verzichten weitgehend auf eine barrierefrei rasche Erfassbarkeit (und somit wohl auch auf die schnelle Mark). Beschreiten stattdessen bevorzugt eigenartig ineinander verschlungene Song- und Soundpfade, die durchaus subtil ins Ziel anspruchsvoller Emotionalität gelangen. Anders gesagt: Wie Myriaden vergleichbare Acts – von Balthazar bis hin zu Radiohead (!) – etablieren Janice Prix auf Anhieb einen markanten Stil, der sich voluminös inszenierten Wallungen nicht versagt.

facebook.com/JanicePrix

Another Sky: „I Slept On The Floor“ (Fiction/Caroline International)

Another Sky – I Slept On The Floor (Fiction/Caroline International)
Es fällt zunächst nicht allzu leicht, dieser Londoner Band auf den Leim zu gehen. Dies liegt nicht allein an dem gewöhnungsbedürftig exaltierten Falsett von Sängerin Catrin Vincent. Ähnlich wie Janice Prix meiden auch Another Sky den Weg des geringsten Widerstands – und evozieren recht vielschichtige Stimmungsschwankungen, die von einem gut (und eben nicht nur clever) durchdachten Songwriting zeugen. Doch erst nach einigen Durchläufen kommt man ihnen dann auf die Schliche. Und schließt diese mit dezenten Folkpop-Aromen sowie mutigen Artpop-Anleihen (Steven Wilson lässt grüßen) ins tendenziell nachdenklich pochende Herz.

facebook.com/UnderneathAnotherSky

 

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