Eine Karriere in der Donaumetropole

Magnet Salieri

Ähnlich wie mehr als einhundertvierzig Jahre später Nadia Boulanger in Paris zog Antonio Salieri, der vorgeblich große Kontrahent Mozarts gleichsam magnetisch Kompositionsschüler an, von denen es wenigstens vierzig selbst als Meister ihrer Zunft weit brachten. Zu ihnen zählen Marianne Auenbrugger, Anton Reicha, Betty Vio, Giacomo Meyerbeer und Evangelista Antonín Tomáš Koželuh.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Antonio Salieri übernahm die Wiener Hofburgkapelle im Jahr 1788 (Bwag/Wikimedia, 4.1.2013, CC-Liz.).

Nachdem Florian Leopold Gassmann seinen Eleven Salieri nach Wien „gelockt“ hatte, durchmaß letzterer vor allem dank Aufsehen erregender Opernprojekte eine ansehnliche Karriere als Komponist, die freilich zunehmend durch die hohe Verantwortung und das gewaltige Arbeitspensum des Kapellmeisterpostens zurückgestellt werden musste. Freilich versiegte sein Schaffen nie völlig; noch mit Palmira, Regina di Persia und Falstaff ossia Le tre burle feierte er 1795 und 1799 Erfolge.

Natale Schiavonis Porträt von Antonio Salieri (1750 – 1825; Gemälde zwischen 1816 und 1819, Museo Florini, Legnago, It p.d.)

Nach neueren Forschungen scheint er kaum ein direkter Konkurrent Mozarts gewesen zu sein, vielmehr erlaubte Wien als Zentrum der Habsburger Monarchie vielen begabten Köpfen in den diversen Künsten ein gutes Auskommen, ohne dass sich ihre Wege zwangsläufig kreuzen mussten.

Maria Theresa Paradis (1759 – 1824) war eine der begabtesten Schülerinnen Antonio Salieris und gefragte Virtuosin in Europa (1784, A p.d.).

Gerade etliche der tschechisch-böhmischen Musiker profitierten im Sinne einer „zweiten böhmischen Schule“ nach dem Wirken ihrer besten Köpfe am Mannheimer Hof in der Vorklassik von Salieris Unterricht: Hier seien nicht nur Anton Koželuh und Ignaz Moscheles, sondern auch Antonio Casimir Cartellieri und Anton Reicha genannt. Als Komponistin wie Pianistin war die blinde Maria Theresia von Paradis wohl eine seiner hoffnungsvollsten und begabtesten Schülerinnen.

Literatur u.a.
Rudolph Angermüller: Antonio Salieri. Dokumente seines Lebens. Bad Honnef 2000.
Timo Jouko Herrmann: Eine klingende Instrumentationslehre – Antonio Salieris „26 Variationen über La Follia di Spagna“. Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Mannheim 2003/04.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.