Korte Metten (8)

Soulgaze

Vazum: „Vampyre Villa“ (Independent)

Geständnisse eines Leckerschmeckers, marktfrische Kommentare zur Marktreife. Cui bono? Gute Frage, anbei vier lässliche Erwiderungen, getarnt als Empfehlungen.

Vazum – Vampyre Villa (Independent)
„You gotta lose your mind“ in Detroit Deathgaze City, – zumindest wenn es nach dem flotten Dreier namens Vazum geht, der mit seinem im Homestudio entstandenen Debüt noch viel mehr gehörig durcheinander wühlt als das selbst gewählte Emblem „Deathgaze“ in Aussicht stellt. Wohlgemerkt: Mit „Death“ ist hier nicht Metal gemeint. Sondern Death Rock der alten Schule. Ergänzt um Shoegaze – klar – sowie Elementen aus Goth, Glam sowie Postpunk mit Lofi-Indie-Feel. Rumpelt, zischt, euphorisiert, überrascht. Und lässt nur noch wenig Luft nach oben. Da nahezu jeder Song mit einer klar zu dechiffrierenden Idee aufwartet, wobei die stilistische Gewichtung einem ständigen Wechsel unterliegt. Mit sägenden Gitarren und energischem Pumpbass allein geben sich Vazum bei weitem nicht zufrieden. Zukunftsweisend statt altbacken. Fetter Tipp, nicht nur für Brutus-Fans.

facebook.com/VAZUMROCKS

Belako: „Plastic Drama“ (BMG/Warner)

Belako – Plastic Drama (BMG/Warner)
Den baskischen Vorreitern in Sachen Post-Punkpop ward anlässlich ihres nunmehr bereits viertem Longplayer endlich die Ehre zuteil, anhand eines Major-Deals fortan auch international kraftvoll auf sich aufmerksam machen zu können. Was von zahllosen Kollegen (im Nachhinein) als Bürde empfunden wurde, scheint bei dem gemischten Doppel aus der Nähe von Bilbao einen Extra-Schub an kreatibver Frische ausgelöst zu haben. Denn Plastic Drama entpuppt sich auf Anhieb als ein rattenscharf abgeschmecktes Pandämonium aus Melodie (catchy) und Rhythmus (variabel), das gesunde Grundhärten fluffig aufweicht, ohne darüber die verhandelten Themen zu vergessen. Mit dieser Scheibe im Nacken ließe sich die Existenz am Gängelband des sog. Fortschritts vielleicht ein wenig besser bewältigen. Zum Einstieg in eine bessere Lebensführung seien die Auskopplungen Truce und Truth ans willige Herz gelegt:
youtube.com/watch?v=6yCsun8ARx8
youtube.com/watch?v=brux9rrFrCI

facebook.com/belakomusic

Oscar Jerome: „Breathe Deep“ (Caroline International)

Oscar Jerome – Breathe Deep (Caroline International)
Angesichts des guten Namens, den sich Oscar Jerome als Gitarrist und Vertreter der Nu-Jazz-Szene Londons – mit Afrobeat Collective oder Kokoroko – bereits hat erspielen können, verwundert es fast schon ein wenig, dass es sich bei „Breathe Deep“ um sein offiziell erstes Studio-Album unter eigenem Namen handelt. Aber wenn diesmal auch alles nach seiner Pfeife (seinen Saiten) zu tanzen hat, erweist sich „Breathe Deep“ als ein Gemeinschaftswerk, das viele Weggefährten und frühere Kollaborateure punktgenau in die Songs und Arrangements des Jungstars einbindet. Darüber hinaus überzeugt Oscar Jerome mit einer gesanglichen Performance, die sich dem jeweiligen Sujet (von denen es musikalisch eine kaum zu klassifizierende Menge gibt) fügt – und dennoch den Ton angibt. Die intensiv stylish geerdeten Tracks – allen voran Your Saint und Timeless (mit Lianne Le Havas am Mikro und Dylan Jones an der Trompete) – entfalten Kraft und evaporieren zugleich jeglichen Zweifel an der Souveränität, die Oscar Jerome als Kopf eines Ensembles walten lässt. Die immens hohe Ereignisdichte trägt ihr Übriges bei – mit einer nahezu unverschämt anmutenden Lässigkeit, die den Ernst der jeweiligen Angelegenheit gut nachempfinden lässt.

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Elis Noa: „What Do You Desire?“ (LasVegas Records/Soulfood)

Elis Noa – What Do You Desire? (LasVegas Records/Soulfood)
Zwei, die sich zu Wien gefunden haben, legen mit What Do You Desire? einen Traum von Debütalbum vor: Elisa Godino und Aaron Hader. Und stellen dem von buttrig gestrichenem Future-Soul-Pop getragenen Ganzen eine Frage voran, deren vorläufige Beantwortung auf den Genuss dieser Scheibe abzuzielen hat. Äußerst akkurat produziert, raunt, schnurrt und säuselt Elisa Godino ins Gewissen. Sie erzeugt unmittelbare Nähe, flieht die Allgemeinplätze. Ja, auch die der gelegentlichen Flirts mit R&B. Hinzu gesellt sich ein exakt (um nicht zu sagen glasklar) bemessener Einsatz erlesener Electronica, der weitaus mehr als nur servil beflissene Akzente setzt, die dem Gesang zuarbeiten. Kombiniert erzeugen Elis Noa also ein organisch schlüssiges Fegefeuer aus zartbitterem Schmelz und lasziv hinterfragten Leidenschaften. Köstlich!

facebook.com/ELISNOA

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