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Das Lied von der Akazienblüte

Hierin dem universell agierenden Norweger Johan Daniel Berlin ähnlich, allerdings einhundert Jahre später, übte der durch seine Herkunft musikalisch sattelfest enkulturierte Brite Frederick Augustus Packer diverse Berufe aus: Nicht allein, dass der von seinen professionell ausgebildeten Eltern unterrichtete Organist nach dem Umzug der Familie ins tasmanische Hobart mit gerade 20 Jahren in der Kolonialverwaltung zum Leiter des Telegraphenamts ernannt wurde, war er als Schreiber in einigen administrativen Büros tätig und stieg zum Prokuristen, dann zum Direktor des Telegraphenamts auf.

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Im tasmanischen Hobart wirkte Frederick Augustus Packer (1839 – 1902) als engagierter Organist und Leiter des Telegraphenamts (Franklin Square, Didier B, Sam76fr, 17.1.2005, CC-Liz.).

Ab 1873 wirkte Frederick Packer neben der Übernahme weiterer Schreibaufgaben für Ämter, etwa in der Eigenschaft eines Parlamentssekretärs für das House of Assembly, zudem als Bibliothekar, bevor er nach Sydney umzog.

Bei allem Gespür für Leitungsaufgaben stand sein teils strenges Gebaren gegenüber Mitarbeitern im Telegraphenamt in einem gewissen Kontrast zu seinen feingeistigen Kompositionen, die ihn über die längste Zeit seines Arbeitslebens begleiteten: Dazu zählen etliche, heute nur noch verstreut aufzufindende und eingespielte Kammermusikstücke wie die drei Stücke für Bläserquintett und Konzertensemble, ein paar komische Opern, von denen Sweet Simplicity als die bekannteste gelten kann. Erfolg zeitigte ebenso das patriotisch gestimmte chorsymphonische Werk Land of Beauty, das anlässlich der Weltausstellung 1894 in Hobart mit einem riesigen Aufwand von 400 Sängerinnen und Sängern und einem vierzigköpfigen Orchester aufgeführt wurde.

Frederick Augustus Packer in seiner Eigenschaft als Angestellter des Parlaments (J.W. Beattie, Library of Tasmania, U617910, AUS)

Auf Tonträger reüssierten Frederick Packers schon zu Lebzeiten in romantischer Tradition gesetzte populäre Lieder, etwa When The Wattles Was in Bloom („Als die Akazien blühten“) und Violette: I Dream of Thee oder sein Stück Ode of Welcome, das rasche Verbreitung fand, anders, als dies für seine wohl im Auftrag entstandenen musikalischen Beiträge und Huldigungen zu amtlich-politischen Anlässen gelten mochte. Dank seiner Fähigkeiten als Organist, die Packer auch in einer anglikanischen Kirche von Hobart unter Beweis gestellt hatte, agierte er nicht zuletzt auch als begabter Pianist und Klavierbegleiter.

LISTENING 1896

Songs by A. F. Packer

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.