Musik der Karibik LXXVI

Sonatina Tropical

Die besondere Vorliebe karibikstämmiger Komponisten für den Parameter Rhythmus, dessen komplexe Varianten und das daraus erwachsende Klangfarbenspektrum teilt auch der auf den Großen Antillen, genauer auf Puerto Rico ansässige Meistergitarrist Ernesto Cordero. Anders als die meisten karibischen Musiker spiegelt sein Stil, anders als die Werktitel suggerieren mögen, neben der iberischen Liedfolklore auch auf den häufig aus afrikanischen Kulten herrührenden Mustern schwarzer Indigener.

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Ernesto Cordero (geb. 1946) im Juli 2012 auf einem Festival in San Juan, Puerto Ricos Hauptstadt (Soybohemioyque, 11.7.2012, CC-Liz.)

Davon zeugt beispielsweise Pregón y Danza (1956) aus Corderos Jahren als Leiter des Orquesta Sinfónica Nacional de Kuba. Die Instrumentengruppen des Orchesters, Streicher, Querflöten, Perkussion und Blech, spielen ihre eigentümlichen Rollen in besonderer Weise aus und beschwören eine fast impressionistische Klangwelt herauf. Seine Lieder, etwa in Zenobia, einem Kammermusikzyklus, angeführt von einer Mezzosopran-Stimme, der sich als gleichwertige Partner Cello und Flöte an die Seite stellen, erzeugen beim Hörer nostalgische Züge, evozieren aber auch Sehnsucht, denn sie handeln von der Liebe; sonst porträtiert der Puertoricaner mit Leidenschaft antillanische Landschaften, was neben etlichen anderen seine Sonatina Tropical für zwei Gitarren (2001) bezeugt.

Der Gitarrist Gerald Handrick spielt auf dieser CD im Verbund mit Kompositionen von Kuba und anderen Regionen der Karibik auch Corderos ‚Pinceladas nocturnas‘ nach einem Gemälde von Vincent van Gogh (Castigo 2015, ASIN: B01A6ZVK0M).

Ein symphonisches Werk mit Gitarre, das Concierto Antillano (1983), das Cordero ebenso der heimatlichen Inselwelt widmet, feierte 1988 einen großen Erfolg anlässlich seiner Aufführung mit der Philharmonie Radio France in Paris. Ansonsten kombiniert der auf Puerto Rico aufgewachsene, in New York geborene, unter anderem in Madrid und Rom ausgebildete Gitarrist sein Instrument gerne kammermusikalisch mit dominanten anderen des Symphonieorchesters; so schuf er etliche umfangreiche Lieder und Stücke in Verbindung mit der menschlichen Stimme, Flöte, Cello, Klavier und Geige. Dank einer 2012 veröffentlichten Aufnahme mit den Solisti di Zagreb gerieten Corderos Caribbean Concertos für Gitarre oder Violine mit Streichern erneut in den Fokus.

Leonardo Egurbida Y Ernesto Cordero – Danzas Puertorriquenas para guitarra FLAC

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.