Korte Metten (15)

Beherbergungsverböt?

Willkommen zur „L’Éducation sentimantale“, bitte bevorraten Sie sich mit folgenden Bildungsgutscheinen.

uSSSy: „Po Krugu“ (Koolarrow Records)

uSSSy – Po Krugu (Koolarrow Records)
Wie eine direkt in die Regio glutealis injizierte Adrenalin-Gabe entfaltet der um rhythmisch-melodische Aromen des mittleren Ostens erweiterte Noise Rock-Entwurf des neu-formierten moskowitischen Duos Pavel Eremeev und Sergei Bolotin. Persische Tar, afghanische Rubab und kurdische Tanbur kommen teilweise mit einem vollfetten Dub Bass daher, um die liebevolle Raserei des Gitarre & Drums-Fundaments effektiv (und eben nicht allein effektvoll) anzureichern. Das zieht sofort mächtig an, zerrt vehement an der Zirbeldrüse und lässt dennoch den hohen Spaßfaktor nachvollziehen, der diese Art des brikett-freien Musizierens wohl auszulösen vermag. Barrieren aus „authentisch“ exploitierter Exotik werden für das „westliche“ Gemüt indes keine aufgezogen. Allein das Temperament, mit dem hier zu Werke gegangen wird, dürfte den ein oder anderen von mürber Kost träge gewordenen Hörkanal zum Flattern provozieren. Nein, so haben wir den Sound des Orients noch nie vernehmen dürfen. Gelobt sei der russische Oszillator in zweifacher Menschengestalt.
facebook.com/uSSSy.band

Como Asesinar A Felipes: „MMXX“ (Koolarrow Records)

Como Asesinar A Felipes – MMXX (Koolarrow Records)
Von Russland nach Chile – und dort zu einer der risikofreudigsten Bands des dortigen Undergrounds. Seit nunmehr 14 Jahren. Ihre Ratschläge zur Morddurchführung (an Felipes) verteilen sich anlässlich von MMXX auf sieben wild entschlossen wirbelnde Tracks sowie weitere sieben nicht minder quirlige Remix-Abfahrten (von u.a. Shane Embury/Napalm Death), die Spuren von Hip Hop-Jazz und Dub-Fusion lässig inkorporieren. Die oft beschworene (und sich hier tatsächlich als rührig erweisende) Dringlichkeit benötigt also keinen grobschlächtigen Dampfhammer, um sich zu artikulieren. Es ist die Konstellation aus leichtfüßigem Flair und unmissverständlich behänder Diktion, die hier geordnete Rotation vortäuscht, um sämtliche Gyroskope aus dem Gleichgewicht zu wuchten. Es bleibt nur die Warnung vor dem Notendurchsatz, konsequente Deckungsarbeit sei angeraten.
facebook.com/OperacionCAF

Summer Of Seventeen: „Summer Of Seventeen“ (Karlrecords)

Summer Of Seventeen – Summer Of Seventeen (Karlrecords)
„Supergroup“ (Daniel Menche, Monika Khot, William Fowlwer Collins, Faith Coloccia, Aaron Turner) – mit Randell Dunn als Produzenten – ergeht sich im Sommer 2017 ihren üblen Vorahnungen. Und steuert nun anhand dieses Dokuments einen adäquaten Beitrag zur weltumspannenden Schieflage bei. Entsetzlich schöne Fanfaren, gebunden in einer Sauce aus undefinierbarer Traurigkeit, kredenzt von Schreien allenfalls übelst geschwanter Provenienz: Rien ne va plus, doch dafür (noch) eine ganze Menge. Zermürbend, erhellend, in bester Tradition eines sich längst transzendierenden Begriffs von Industrial, Chanson, Jam und Tiefkeller. Allzu viel Hoffnung auf kommende Sommer wird künstlerischer Entfesselung geopfert. Jedoch ohne die mutwilliger Anrufung barer Destruktion. Dieser Betablocker braucht weder Rezept noch Beipackzettel. Er benötigt lediglich jenes verdammte Quantum an Aufmerksamkeit, das sich angesichts der ubiquitären Kalamitäten im dumpf vor sich hin schallenden Opferstock zu verlieren droht.
facebook.com/Karlrecords-127329670614674

Twinkle3: „Minor Planets“ (Marionette)

Twinkle3 – Minor Planets (Marionette)
Zur Entspannung etwas an Shakuhachi gefällig? Auf Minor Planets bringt Clive Bell auch diese japanische Bambuslängsflöte prononciert zum Einsatz, – während die Kollegen Richard Scott und David Ross – anlässlich des Abschlusses ihrer teil-improvisierten Trilogie einer kosmologisch informierten Elektroakustik – definitions-allergische Twists bewerkstelligen. In einer geradezu als „munter“ dem Opaken zugeneigt zu klassifizierenden Mischtechnik (die u.a. bei King Sunny Adé und seinem Synchro System ebenso anknüpft wie bei Lee Perry oder bei diversen aus dem Schaffen Stockhausens gezogenen Lehren). So werden Scheinmotive konterkariert, Finten en passant eines Besseren belehrt – und somit dem Anspruch spiritueller Stimulanz insgesamt vollumfänglich genügt. Die Mysterien bleiben gewahrt, die Sensibilität für ihre multidimensionale Beschaffenheit gestärkt (und eben nicht bloß eindimensional vereinfachend geschärft).
facebook.com/Twinkle3-105697951028394

Schmo: „Spring Story“ (Flau Records)

Schmo – Spring Story (Flau)
Feine Bricolage beschert der australische Klang-Collagist Harry Hohnen (formerly well-known as Victor Bermon) auf seinem Erstalbum als Schmo. Schnipsel fügen sich zu Flächen, Gefundenes zur ganzheitlichen Struktur. Sogar das subtil sentimental angediente, narrative Element der vier Kompositionen (Kindheitserinnerungen an Budapest) vermag auf Plausibilität zu plädieren, sofern es gelingt, sich nicht zu sehr an einzelne Details zu klammern, die – vom Piano-Auftakt vielleicht einmal abgesehen – schlicht zu unaufdringlich gedacht sind, um das Gleichgewicht der Ereignisse ernsthaft zu gefährden. Leicht verständliche Klangpoesie trifft auf nostalgische Verklärung? Könnte passen. Und so mündet – Crumbles Cookie Wise – in holz-geblasene Arabesken, die sich im Vagen verlieren. Darauf ein dreifach gehauchtes „Hach“. Mit einem Pling von Bedauern, das sich nicht zuletzt dem Weihen des – emotiv – Filigranen verdankt. Vielleicht ist (oder war) ja alles doch gar nicht so schlimm. Zumindest im Rahmen dieser mit musikalischen Mitteln induzierten Fiktion.
facebook.com/flaumusic

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