Ein seltenes Sujet der Oper

Aspasia, die illegale Gattin

Ob die Lehre des Musikwissenschaftlers Damon bei dem späteren Strategen Perikles auf fruchtbaren Boden fiel, lässt sich nur behaupten. Einigermaßen sicher ist nur, dass der spätere Lenker der Geschicke Athens, sei es nun als demokratisch gesonnener Feldherr oder (moderater) Tyrann die Ansichten seines Lehrers über die Bedeutung des Musischen, das als Ganzheit von Klang, Bewegung und Sprache verstanden wurde, annahm – ebenso wie er dessen Ethik verinnerlichte. Kaltschnäuzig hingegen wirkt auf dem Hintergrund dieser Lehre Perikles‘ fehlende Einmischung in Damons Verurteilung durch ein Scherbengericht, das diesen in die Verbannung schickte.

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‚Aspasia inmitten von Philosophen‘ (Gemälde von Michel Corneille, ca. 1672, RMN, F p.d.)

Abgesehen von seinen Musikforschungen wurde der von den athenischen Richtern harsch abgeurteilte Damon schließlich zum Vordenker für Platons Politeia, immerhin einem Werk, das das demokratische Projekt seiner Vaterstadt flankieren sollte. Woran es auch immer liegen mag, die heute ambivalent beurteilte Figur des Politikers Perikles fand höchstselten Echo in der an der Antike orientierten Oper zwischen 1600 und 1800, noch weniger in instrumentalen Kompositionen der neuzeitlichen europäischen Musikgeschichte; im Falle von Shakespeares Drama Pericles, Prince of Tyre geht es um eine andere nur gleichnamige, zum Mythos gewordenen Herrscher der hellenistischen Welt des 3. vorchristlichen Jahrhunderts.

Der Satz ‚Tambourin‘ aus Grétrys Oper ‚Aspasie‘ erklingt hier unter den Händen der Geigerin Takako Nishizaki und der Pianisten Terence Dennis (Suzuki Evergreens Vol. 7, Naxos, ASIN: B003DQWPEW, 2010).

Widerhall fand allerdings Aspasia von Milet (ca. 470 – 420 v. Chr.), die, weil sie die Stadtbürgerschaft nicht erlangen durfte, von den Athenern zur bloßen Geliebten, wenn nicht Hetäre herabgewürdigte philosophisch aktive Gattin des Staatsmanns Perikles bei Christoph Martin Wieland, zuvor bereits 1636 in einem „klassischen“ Schauspiel von Jean Desmarets de Saint-Sorlin. Wieland widmete ihrem Andenken im Teutschen Merkur 1773 eine Verserzählung.

In Platons Dialog ‚Menexenos‘ erklärt Sokrates Aspasia zu seiner Rhetoriklehrerin (Büste Pio Clementino, Vatikanmuseum, Inv. 272, Jastrow 2006, p.d.).

Etwa 16 Jahre später, am Vorabend der französischen Revolutionswirren, setzte der Belgier André-Ernest-Modeste Grétry (1741 – 1813) der Philosophin, möglicherweise unter anderem durch Saint-Sorlin und Wieland angeregt, mit der zweiaktigen klassischen Oper Aspasie, die auf einem Libretto von Étienne Morel de Chédeville basierte, ein Denkmal. Leider blieb dieses heitere Musikdrama, als leichte Intrige apostrophiert und uraufgeführt am 17. März 1789 in der Académie Royale de Musique, im Zeitalter des Tonträgers bislang ein Stiefkind der Musikkonserve ebenso wie einer breiteren Rezeption in der Musikforschung. Allerdings ist es das Verdienst des Duos Takako Nishizaki und Terence Dennis, in einer Version für Violine und Klavier immerhin den instrumentalen Satz Tambourin daraus aufgenommen zu haben.

Quellen zur Entstehung und Aufführung der Oper Aspasie

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.