Pfade durch die Musiklandschaft Australien LXXII

Pendant zu den Walzerkönigen?

Im romantischen Vielklang des 19. Jahrhunderts scheint sich die Spur eines Komponisten zu verlieren, der sich weit vom Habsburgerreich entfernt in die Riege der Wiener Komponisten von Unterhaltungsmusik für einen großen Teil des damaligen Bürgertums einreiht. Zu Frederick Ellard liegen nur spärlich biographische Daten vor. Für die Nachwelt rettete ihn eine Veröffentlichung des ungarischen Fachkollegen Miska Hauser, der den Australier in dessen Heimat besuchte.

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Zwischen 1835 und 1837 wurde dieses Klavier mit Querbesaitung eigens für den Komponisten Frederick Ellard (1824 – 1874) gebaut (Collard & Collard, Sydney, https://dictionaryofsydney.org/media/4260).

Im Zuge der weit über die Grenzen hinweggehenden Begeisterung für die aufblühenden europäischen Vergnügungsparks, erinnert sei hier nur an den Wiener Prater, der zum Vorbild für das Kopenhagener Tivoli wurde, suchte der Australier Ellard an die Erfolge der Dynastie von Johann Strauß und seinem Umfeld anzuschließen und deren bevorzugte Genres auch auf dem fünften Kontinent zu etablieren.

Classical Music of Colonial Australia: Eine Band der Navy spielt hier Ellards ‚Australian Quadrilles‘ (Sound Heritage Assoc., AHS 03-2CDS, 1999).

 

 

 

Vergleichbar Lumbyes und Eduard Strauß‘ Polkas und Galopps zu Ehren des neuen Fortbewegungsmittels Eisenbahn schrieb er einen Sydney Railroad Galop und widmete sich mit Morceau de salon – sur Lucrèce der Salonmusik, auch als deren Stern schon im Sinken begriffen war.

Auf der CD ‚The Classic Road Trip‘ (2017) mit dem beliebten australischen Radiosprecher und Musiker Russell Torrance ist auch der ‚Australische Vogelwalzer‘ von Frederick Ellard zu hören (ABC, ASIN : B075SM8ZK6).

 

Weit mehr noch als andere modische Gesellschafts- und Paartänze, für die sein launiger Australian Bird Waltz für Orchester beispielhaft stehen mag, faszinierte Frederick Ellard die in der südlichen Halbkugel hochpopuläre Quadrille, die besonders in den britischen, französischen, niederländischen, spanischen und portugiesischen Kolonien der Zeit große Erfolge feierte: Ihr widmete er durchaus von Patriotismus getragene Beiträge, 1842 seine Sydney Corporation Quadrilles, 1850 die Hayes Quadrille und eine weitere Sammlung Australischer Quadrillen. Aber auch intime Töne vermochte der Australier anzuschlagen, was sein zum Evergreen gewordenes Lied I think of Thee bekundet.

Australian Bird Waltz

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.