Korte Metten (18)

Mapping

Pictures From Nadira: „Morula“ (Fluttery Records)

Anmerkungen zu neuen Veröffentlichungen von Fluttery Records, „bright home of modern classical, ambient and post-rock“.

Pictures From Nadira – Morula (Fluttery Records)
Auf ihrem zweiten Album erweist sich die Münchener Postrock-Formation als nahezu immun gegenüber dem gegenwärtigen Trend, sich nach Möglichkeit den typischen Charakteristika des Genres zu entsagen. So erweisen sich insbesondere die sechseinhalb Minuten des Openers Odessa als eine geradezu gewagtes Festhalten am unmodisch Gewordenen, als ein Manifest der Reaktion, bei dem die melodisch induzierte Apotheose mit der Tür krachend ins Haus fällt. Im weiteren Verlauf wird von dieser Taktik des leuchtenden Pfads zwar nicht abgewichen, doch sehr bald wird deutlich, wie sich das parallel verlaufene, innere Monologisieren der Komponenten zunehmend überlappt und miteinander multipliziert. Und wie sich – nun auf gedanklicher Ebene – hinter jeder Schicht aus forschend abtragenden Klang eine weitere Schale offenbart, die den ominösen Wesenskern vor seiner völligen Preisgabe schützt. Man fühlt sich ans Häuten der Zwiebel erinnert, – was bleibt ist die Verneigung vor dem Unaussprechlichen, die Ehrfurcht vor jenem atomisierten Schutzfilm, der das Nichts materialisiert und sämtliche Wunder der Existenz überhaupt erst erahnen lässt. facebook.com/PicturesFromNadira

Sairen: „Vestiges“ (Fluttery Records)

Sairen – Vestiges (Fluttery Records)
Wesentlich schroffer – und wie von Schmutzpartikeln durchsiebt – nähert sich das bretonische Ein-Mann-Projekt den Wesenszügen seines vierten Album an. Es scheint eine Skepsis gegenüber wohlklingenden Gefälligkeiten vorzuherrschen, die nur sporadisch die Oberhand gewinnen, um dann mit – und gegenüber – brüsken Zurechtweisungen besonders empfindlich reagieren zu können. Ein lukullisches Versinken gelingt somit eher nicht. Es sei denn, man ist imstande, Dornen blühen zu lassen. Auf jeden Fall ist es lohnend, sich als nicht als beleidigte Leberwurst zu gerieren, wenn die Vestiges, mit Essigessenz freigelegt, eben nicht zur erhofften Erlösung führen. Der kaum als gemütlich zu bezeichnende Grundtenor sollte also nicht als mangelnde Gastfreundschaft missverstanden werden. Denn selbst wenn Sairen, so zum Beispiel bei Insecte, schmucklos grob gestrickte Interludien zumutet, beliebt das Feuer im Kaminofen des Musikzimmers heimelig zu knacken.
facebook.com/sairen.music

AL_X: „Low Clouds“ (Fluttery Records)

AL_X – Low Clouds (Fluttery Records)
Sechs Jahre nach dem – überall dort, wo es öffentlich wahrgenommen wurde – hochgelobten Album Shunt legt der Liverpooler E-Orchester-Leader Alex Dunford mit Low Clouds einen quantitativ beinahe schon überbordenden Nachfolger vor, der die bereits anerkannten Qualitäten seines Schöpfers weiter ausbaut und vertieft. Prinzipiell legt der Brite nun ein ruhiges Naturell an den Tag, dem es obliegt, mit scheinbarer Sorglosigkeit geimpfte Szenarien mit punktuell leicht verstörenden Zutaten anzureichern. So erweisen sich die einzelnen Tracks zunächst als barrierefrei zugänglich, doch gelingt es aufgrund von subtilen Verschiebungen und dem allgegenwärtigen Einsatz von Störfaktoren (darunter aufwändig kaschierten Field Recordings) das Spannungsniveau hoch anzusetzen und aufrecht zu erhalten. Als besonders auffällig erweist sich die übergangslose Verquickung von (retro-) futuristischen Anmutungen (wie sie etwa ein Label wie FIXT Neon fokussiert) und einem sozusagen natürlich belassenen Touch. Und dies sogar noch in jenen Passagen, in denen Alex Dunford ziemlich offensiv mit den Gepflogenheiten gängiger Neo-Klassik flirtet.
facebook.com/AlXAlexDunford

Diamond Gloss: „FLK“ (Fluttery Records)

Diamond Gloss – FLK (Fluttery Records)
Auch der portugiesische Ambient-Elektroniker Gonçalo Pereira schickt sich an, ein überraschend breit gefasstes musikalisches Spektrum im eigenen Klangkosmos zu verankern. So startet er auf seinem vierten Album als Diamond Gloss mit trügerischem Offbeat durch, um zugleich ein dezentes Balearic-Flair zu etablieren. In der Folge reiht er zahlreiche weitere Assoziationen aneinander: Vangelis‘ Antarctica, spacige Flächensounds aus der TD-Schule, ornamentale Verspieltheit, Piano-Arpeggios – durchwoben von durchweg sanften Drone-Passagen, welche die melancholische Grundstimmung von FLK erden. Jedoch wird diese Disposition nur selten in einer vorhersehbaren Folgerichtigkeit ausgespielt. Was wiederum auf Kosten einer allzu angenehmen Griffigkeit geht, die dem gebotenen Einsatz divergierender Klangsprachen ohnehin kaum hätte gerecht werden können. Ambient-Puristen dürften gleichermaßen über- wie unterfordert bleiben, während prinzipiell aufgeschlossene Gemüter die gebotenen Anknüpfungspunkte insgesamt und getrost als ein Depot aus emotionaler Verbindlichkeit und kompositorischer Raffinesse rubrizieren sollten.
facebook.com/diamondglossband

facebook.com/flutteryrecords

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