Ina Müller - 55

Wie im besten Alter

Ina Müller: „55“ (Columbia/Sony Music)

Zum dritten Mal macht die mediale TausendsasserIn Ina Müller ihr chronologisches Alter zum namensgebenden Aufhänger eines Albums. Macht nichts, denn auch mit 55 (Columbia/Sony Music, ab Freitag) hat man wahlweise noch Träume oder fängt das Leben erst an.

Nun, es sind ziemlich genau diese artverwandt unverbindlichen Randbemerkungen, die ihre neue Scheibe inhaltlich auszeichnen. Auch als Ausdruck eines sich vage vollziehenden Reifungsprozesses, den Ina Müller zwischen versöhnlicher Nostalgie und schlichter Nonchalance Revue passieren und in überwiegend von Country-Pop dominierte Songs kleiden lässt.

Am nachhaltigsten gelingt ihr dies in dem Song, der sich am auffälligsten vom selbst-oktroyierten Klangkorsett entfernt: Fast hält länger als fest. Hier wurde ein nahezu post-rockiges Fundament gewählt, das Form und Inhalt gütlich eint. Auch das sich anschließende Rauchen genießt mit reumütig-lebensfrohen Flair einen eigenständigen Touch, derweil sich 55 ansonsten musikalisch stets auf der ganz sicheren Seite tummelt. Die Auskopplung Ich halt die Luft an liefert samt seiner Ohohos aus dem Fundus gängiger Deutschpop-Schlager-Stilmittel ein beredtes Beispiel.

Ina Müller (Sandra Ludewig)

Selbstverständlich sympathisch bleibt Ina Müller in jeder Situation, die ihr das Songwriting anbietet. Aufgesetzte Gefühlswallungen lässt sie ebenso wenig zu wie allzu banale Gemeinplätze außer Acht. Eine gedachte Schnittmenge zwischen Ina Deter und Ingrid Peters mit gewitzt gebremsten Schaum ausfüllend, macht sie locker und souverän einen weiten Bogen um die Abgründe unfreiwilliger Comedy oder der Selbstüberschätzung.

Andererseits ist es schon ein wenig schade, dass sie sich auch mit 55 nicht traut, ab und an mal aus dem Mahlstrom der thematischen Vorhersehbarkeit auszubrechen. Ein Titel Wie Heroin weckt da zunächst Hoffnungen, doch geht es dann doch nur relativ harmlos um die heilsame Instant-Wirkung von Industriezucker.

Dennoch gelingen Ina Müller etliche (andere) Themen, indem sie ihnen eine frische Perspektive verpasst. Und zudem lässt ihr die Produktion genügend Raum, um ihr offensiv agiles Naturell auszuspielen, – anstatt es, die Versuchung läge ja nahe, aufwändig zu veredeln und somit zu verfremden. Insofern sichert 55 den Status von Ina Müller, irgendwie doch anders als die anderen SängerInnen zu sein, die aus Funk und Fernsehen als bekannt vorausgesetzt werden dürfen.

www.inamueller.de

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