Die tschechische Komponistin Sylvie Bodoravá

Aktionsräume der Musik

Nehmen auch die Oratorien und weitere geistliche Kompositionen den größten Teil von Sylvie Bodorovás Werk bis heute ein, so umfasst ihre häufig an Programmen orientierte Musik doch einen viel größeren Aktionsraum, der von Sololiteratur für Gitarre, Violine, Klarinette, Fagott und Flöte über mehr formal bestimmte Kammermusik für mehrere Instrumente bis hin zu Symphonien mit ungewöhnlicher Satzstruktur reichte. Ebenso breit ist Bodoravás Bewegungsradius in thematischer Hinsicht, der Liebeslieder ebenso einschließt wie die Folklore der Zigeunerballaden und Hommagen an Mozart oder Bach.

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Außer Richard Strauss‘ ‚Don Juan‘ wurde für diese CD Bodorovás 1. Sinfonie ‚Con Le Campane‘ vom Prager Symphonieorchester mit der unkonventionellen Satzfolge Palpito, Breakdance, Con le campane und Finale eingespielt (Fok 2012, ASIN: B00805ZS5E).

Die aus dem tschechischen Budweis und teils von ungarischer Familie abstammende Komponistin setzte ihr in Prag, Brno und Danzig verfolgtes Studium in Siena bei Franco Donatoni fort, nahm aber auch Kurse bei Ton de Leeuw in Amsterdam. Möglicherweise prägte sie die Zeit an der toskanischen Accademia Musicale Chigiana dennoch am meisten, denn italienische Formen oder Programme bestimmen ihre gesamte Werkmonographie durchgehend bis heute, begonnen bei der Musica dedicata di Due Boemi di Praga von 1980 über das Violinkonzert Messaggio (1989) und La Speranza für Klarinette, Cello und Klavier (1993) zieht sich dieser rote Faden hin zu Raffiche di vento (2009), das für die Besetzung mit Flöte, Viola und Violoncello geschrieben ist.

Partiturseite aus Sylvie Bodorovás Oratorium ‚Juda Maccabäus‘ (2002, Jiří Štilec – ArcoDiva, OTRS, GNU Free Doc. Lic.)

Besondere Klangfarben kombinierte Sylvie Bodorová in Ventimiglia für Trompete und sechs Perkussionisten (1992), während sie mit ihrem Concierto de Estio für Gitarre und Streicher (1999) sowie mit dem für Aufmerksamkeit sorgenden Theresienstädter Ghetto Requiem für Bariton und Streichquartett (1998) für europaweite Aufmerksamkeit sorgte: Es wurde in Großbritannien uraufgeführt und fand seinen Weg auch an die Londoner Wigmore Hall. Erfolgreich wurde sie innerhalb des polyphone(re)n Oratoriums zudem mit Juda Maccabäus (2002) und Mojžíš (2008), bevor sie 2011 ihre 1. Sinfonie für Orchester und Schlagzeug edierte und mit einem Auftragswerk für den amerikanischen Bariton Thomas Hampson mit Symphonieorchester unter den Titel Lingua Angelorum (2012) wieder zu ihrem Liedschaffen zurückkehrte.

Sylvie Bodorová interessiert sich besonders für die Musik Italiens, der Roma-Balladen und für die Klangfarben bestimmter Instrumente wie der Gitarre oder der Klarinette. Die CD bietet eine vielfältige Zusammenstellung ihrer Kompositionen (Rotag Records 1995, ASIN: B00DM8S2AC).

Weniger bekannt als manches ihrer viel(fältig)en Werke ist der Umstand, dass sie Quattro, einer tschechischen Künstlergruppe angehört, in der auch Otmar Mácha, Zdeněk Lukáš und Luboš Fišer engagiert waren; vor allem im Vaterland Tschechien sind auch ihre im öffentlichen Konzertleben weniger häufig anzutreffenden Kompositionen für Kinder beliebt.

Concerto die Fiori  (1996)

Offizielle Website der Komponistin

Diskographie

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.