Neue Bücher zur Musikwissenschaft 2021

Zum Nachschlagen, Reflektieren und Diskutieren

Das neue Jahr ist noch jung, sicher nicht unbelastet durch das vorhergehende und dennoch Hoffnung versprechend, nicht nur in gesundheitlicher oder ökonomischer Hinsicht, sondern auch im Hinblick auf das Stiften von Erkenntnis, die nicht zuletzt ein Motor für unser Denken und unsere Handlungen ist: Neue Räume werden betreten, fundamentales Wissen durch wertvolle Detailarbeit ergänzt, Brücken geschlagen.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Das ‚Lexikon des Orchesters‘ in zwei Bänden (Laaber Verlag, ISBN: 978-3-89007-551-8) kommt voraussichtlich noch in diesem Winter auf den Buchmarkt.

Ein lange gehegtes und institutionell wie für den privaten professionellen Gebrauch Anliegen der Herausgeber Gesine Schröder, Frank Heidberger und Christoph Wünsch war es, ein Handbuch auf den Weg zu bringen, das einen Großteil unseres (möglichen) Wissens über große Musikformationen westlichen Zuschnitts in diachronen wie synchronen Zusammenhängen speichert: Mit dem umfangreichen Lexikon des Orchesters wird 2021 ein von vielen gewünschtes Handbuch vorgelegt werden, das in zwei Bänden nicht alleine einen systematisch genauen Einblick in die historische und gegenwärtige Instrumentenkunde gewährleistet, sondern auch Fachgebiete wie Aufführungsmanagement, Ausbildung im Orchesterspiel und werkbiographische Informationen über Personen einbezieht, die für die Entwicklung des Orchesterklangs bis heute wesentliche Beiträge geleistet haben.

Bei Olms Weidmann erscheint 2021 die von Sebastian Rose redaktionell mitverantwortete Sonderuntersuchung ‚Quintendiskurse‘ der Musikwissenschaftlerin Marion Saxer (ISBN: 978-3-487-15859-4).

Verdienstvoll wird im neuen Kalenderjahr auch die speziellere Untersuchung der Quintendiskurse durch Marion Saxer sein, die hier anhand eines reichen Quellenrepertoriums unter anderem nachweist, dass das bis ins 21. Jahrhundert weiterwirkende Verbot der Quintparallelen bereits im frühen 14. Jahrhundert als Regel auftaucht und nicht erst seit dem Ende der Renaissance gepflegt und begründet wird. Von besonderem Interesse ist, dass nicht nur musiktheoretische Schriften berücksichtigt werden, sondern eine breite Auswahl quasi literarischer Texte hinzugezogen wird, Satire und „Science Fiction“ eingeschlossen. Anhand eines Gangs durch die Hör- und Mediengeschichte wird deutlich, wie Fehler und Missverständnisse die Rezeption und Beurteilung der (untersagten) Verwendung von Quintparallelen prägten.

Die Festschrift ‚Diggin‘ up Music‘ bietet Aufsätze, die auf dem fruchtbaren Boden von Raimund Vogels‘ Verständnis von Musik als gesellschaftspolitischer Aufgabe basieren (Olms Weidmann, ISBN 978-3-487-15977-5).

Besonders gespannt darf das Leserpublikum ebenso auf die Themenvielfalt der Aufsätze von ehemaligen DoktorandInnen des Hochschullehrers Raimund Vogels sein, die demnächst in einer Festschrift innerhalb der Olms-Reihe Center for World Music als 6. Band erscheinen; Vogels verstand Musikethnologie als gesellschaftspolitische Praxis, die den integrativen Aspekt von Musik ebenso beleuchtet wie sie den Erhalt von kultureller Vielfalt mittels darstellender Kunst behauptet. Das Verlagshaus Schott bietet mit dem für März 2021 geplanten Band Geistertöne, der auf Gesprächen von Christoph Wagner mit KomponistInnen, unter anderem mit Meredith Monk und George Crumb neue Türen zum Verständnis von Musik als kulturellem Phänomen aus der Sicht ihrer Urheber öffnet (ISBN 978-3-7957-8699-1).
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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.