Theatermusik von Zeitgenossen

Neben Purcell

Überwiegend instrumentale Inzidenzmusiken am Ort der Ouvertüre, des Zwischenakts, zur Begleitung, zu Verwandlungsszenerien und Schlüssen von frühen Opern oder Schauspielen schrieben im England der Rückkehr Charles‘ II. an den Hof etliche Zeitgenossen Henry Purcells. Auch wenn dessen prägnante Ayres for the Theatre heute am bekanntesten sind, so befand er sich in einem produktiven Konkurrenzverhältnis zu anderen Musikern, die sich häufig der Schauspiele Shakespeares und seiner Nachfolger annahmen.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Aus der Feder William Lawes‘ sind auch Inzidenzmusiken für die Bühne überliefert (GB p.d.).

Der Organist Simon Ives schuf in der eher musikabstinenten Regierungszeit des Stuart-Königs Charles I. nicht nur anmutige Schäfereien in der Tradition des theokritischen Hirtendialogs, mehrstimmige Lieder oder solistische Stücke für die Leier, sondern arbeitete am Hof auch dem Theater zu. Sein kaum älterer Zeitgenosse William Lawes, Schüler von John Coperario und bekannt wegen seiner Suiten für Gambenconsort, komponierte gleichermaßen gelegentlich für die Bühne.

Die Musiker sitzen zum Zweck der Aufführung von Zwischenaktsmusiken im Schauspiel gelegentlich hinter dem Vorhang, nicht aber im Orchestergraben (Palais Garnier Paris, CC-Liz.).

Matthew Locke, später auch als Theoretiker hervorgetretener Chorsänger von Exeter, trat als Schöpfer von Bühnenmusik spätestens hervor, als er mit vier weiteren Kollegen das Libretto The Siege of Rhodes (1656) des Ökonomen William Davenant vertonte, wobei es sich um nichts Geringeres als die erste wirklich namhaft gewordene auf britischem Boden handelte. Auch für die „Masque“ The History of Sir Francis Drake aus der Feder dieses Dramatikers schrieb er die Inzidenzmusik; leider ist daraus nur ein Stück, der Tanz Symeron, aus der Hand des Komponisten erhalten.

Die Zauberin Kirke bietet Odysseus den Kelch dar. Charles Davenant verfasste zum Sujet ein Schauspiel, das Matthew Locke musikalisch ausgestaltete (Nicolas Régnier, Sotheby’s Lot37, F. p.d.).

Zu den Theaterkomponisten gehörte auch der Geiger John Banister, auf den die Bühnenmusik zu Charles Davenants Circe zurückgeht, die 1676 am Duke of York’s Theatre zur Uraufführung gelangte. Zusammen mit dem früh verstorbenen aufstrebenden Komponisten Pelham Humfrey schuf er die ebenso illustrative wie die Dramaturgie unterstützende Inzidenzmusik zu Shakespeares The Tempest. Dennoch: Im Gedächtnis seines Säkulums blieb John Banister aufgrund seiner Hausveranstaltungen, die eine Art kommerzielles Wunschkonzert für zahlungsbereite Gäste darstellten.

Literatur u.a.
Alon Schab: Distress’d Sources? A critical consideration of the authority of Purcell’s „Ayres for the theatre“. In: Early Music. Bd. 37/2009. S. 633 – 645.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.