Alice Cooper - Detroit Stories

Pontiac Firebird

Alice Cooper: „Detroit Stories“ (Edel/e-a-r)

Vincent Damon Furnier braucht niemandem noch irgendetwas zu beweisen. Sich selbst eingeschlossen. Dennoch schlenzt er mit Detroit Stories (Edel/e-a-r) ein Album vor des Rockisten Latz, das tatsächlich alles aus dem vorgegebenen Thema zu ziehen versteht. Prominent unterstützt (u.a. Larry Mullen/U2) nimmt Alice Cooper seine Sache unverschämt ernst. Und setzt sie großartig um.

Ja, liebe Leute. Alice hat für euch ein paar Coverversionen versteckt. Vielleicht sogar ganz am Anfang. In Form einer wohl überlegten Auswahl, die im Willen zum eigenen Ausdruck allein Reminiszenz bleibt. Detroit ist überall, nur haben es noch längst nicht alle kapiert. Dies mag die Quintessenz sein: Alice Cooper war schon immer ein mitfühlender Autor. Man denke an das epochale From The Inside, das einst seine Alkoholabhängigkeit zum generellen Thema einkleidete. Oder an DaDa, wo er US-amerikanische Befindlichkeiten sezierte, die heutzutage gängiger sind als damals schon.

Auf Detroit Stories gelingt es ihm, das historisch Verbriefte, die Klischees, in einen aktuellen Kontext zu rücken. Mit den Mitteln knackigen Hard Rocks und Proto Punks, eine längst verloren geglaubte Stimme dem allgegenwärtigen Hiphop entgegenzusetzen. Nein, falsch! Sie mitschwingen zu lassen, und sei es auch nur für die alten weißen Männer, die an der Endstufe des Kapitalismus ebenso zu leiden haben, wie diejenigen, die sich im Sinne eines „Empowerment“ noch ein letztes Mal versklaven lassen.

Doch genug der wirren Gedanken, bleiben wir beim Stoff. Und da finden sich mit jedem Track Querverweise, lakonisch cool. Selbst Motown-Sound wird angezeigt, nicht strapaziert. MC5 und die Stooges scheinen ab und an gegenwärtig, doch Alice Cooper kommentiert dieses Treiben mit einer sympathischen Nonchalance, die Iggy Pop nie gegeben war. Der Mann war und ist einfach – souverän.

Was auf Detroit Cities den Erwartungen entgegen läuft, und somit zu einer selbst induzierten Enttäuschung führt, ist die Umgehung einer direkten Konfrontation mit dem ikonischen Detroit Rock City von Kiss. Klar, dass es Alice Cooper kaum verwunden haben mag, dass die Rabauken aus New York seinem Nimbus als Shock-Rocker vor rund vierzig Jahren den Rang abgelaufen haben. Er hatte ihnen doch den Weg zu vollkommenen Blödsinn geebnet, verlagerte sein Schaffen daraufhin zu einer inhaltlichen Tiefe, die ihm auch zuvor schon zu eigen war. Der Zwist von Intellekt und Entertainment lässt sich bei Alice Cooper gut nachvollziehen. Erst recht auf Detroit Stories.

www.alicecooper.com

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