Das sommerliche Mozart-Fest in Würzburg 2021

Un Trionfo del Ritorno

Das „Wunderkind“ Wolfgang Amadé Mozart hatte sich während seiner Mannheimer Konzerte unsterblich in die Sängerin Aloysia Weber verliebt. Sie jedoch wies ihn ab. Aloysia heiratete jedoch – letztlich nicht zu dessen Gunsten – den Würzburger Joseph Lange, während der große Stern am Musikhimmel 1782 ihre Schwester Constanze ehelichte. Etwas verknappt stellt sich so die Verbindung Mozarts zu Würzburg her.

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Mozarts Schwager Joseph Lange malte dieses Mozart-Porträt zwischen 1782 und 1783 (A p.d.).

Joseph Lange malte 1791 auch ein Porträt seines Schwagers Mozart, mit dem er sich schließlich gut verstand. Lange existierte in Würzburg übrigens ein Mozart-Gymnasium, das aber nach der Wende zum 21. Jahrhundert mit einer anderen Schule fusioniert wurde. Die biographischen Bezüge zu einer so bedeutenden Komponistenpersönlichkeit reichten jedenfalls aus, um 1922, also vor fast einhundert Jahren, in der Mainstadt ein Mozartfestival zu begründen. Sogar in diesem Jahr wird es seit dem 28. Mai, gewissermaßen parallel zur vorsichtigen Wiedereröffnung vieler Geschäfte und Kulturinstitutionen feierlich begangen.

Die Stiftskirche in Wertheim ist ebenso eine beliebte Konzertstätte des Mozartfestivals (Hans Kadereit, Sept. 2006, GNU FDL).

Bis zum 27. Juni stehen zahlreiche Veranstaltungen auf dem Programm, von denen sicherlich die Aufführung vom Mozarts Serenade Eine kleine Nachtmusik, von Haydns Violoncellokonzert Nr. 1 und Brahms‘ 2. Streichquintett mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter Yu Zhuang und der virtuosen Solistin Raphaela Gromes den ersten Höhepunkt darstellen wird. Das Konzert findet um 20 Uhr in der Stiftskirche Wertheim statt.

In der Residenz Würzburg finden auch 2021 die meisten großformatigen Veranstaltungen des Mozartfestivals statt (Südseite Park, H.-P. Mederer, 5.6.2021).

Endlich ist nun wieder ein gemeinschaftlicher Besuch von Klassik-Events unter relativ normalen Bedingungen möglich, so auch im Falle eines Konzerts im beeindruckenden Kaisersaal der Residenz an diesem Sonntag um 20 Uhr mit dem bunt gemischten, geistreich-aberwitzigen Wiener Ensemble Philharmonix, bestehend aus Streichern, Pianistin und einem Klarinettisten und einem ebenso vielfältigen Programm, das Mozarts Werk aus gänzlich verschiedenen Interpretationsperspektiven zwischen Original, Klezmer, Pop und Jazzstilen abbildet.

Die Meisterviola-Spielerin Tabea Zimmermann gibt sich zum Mozartfestival 2021 die Ehre (Marco Borggreve, 26.11.2007, Free Art Lic.).

Am Donnerstag, den 17. Juni sind die Viola-Virtuosin Tabea Zimmermann und das Philharmonische Orchester Würzburg mit einer Auswahl aus Musik des 18. Jahrhunderts „um Mozart herum“ zu hören und zwar mit der Ouvertüre zu Idomeneo, Hummels Potpourri für Bratsche und Orchester sowie Mozarts allseits beliebter Sinfonie Nr. 25 in g-Moll. Nicht einmal „Ausreißer“ ist hier Sergej Prokofjews Symphonie classique D-Dur, die eine leicht ironische, weitgehend aber paränetische Allusion auf die vom Komponisten verehrte Symphonik der Sattelzeit sein möchte.

Christiane Karg (rechts) anlässlich eines Konzerts mit Thomas Quasthoff und Justus Zeyen (Thorsten Krienke, 14.5.2019, CC-Liz., 2019).

Im Shalom Europa widmet sich das Trio con Brio Kopenhagen am Vormittag des 20. Juni um 11 Uhr Mozarts Klaviertrio E-Dur, vier Sätzen aus Prokofjews Romeo und Julia und dem anschließend kathartisch wirkungsvollen Klaviertrio A-Dur von Peter Tschaikowsky. Gespannt darf man auch während der „Arbeitswoche“ am Mittwoch, den 23. Juni in der Residenz auf das weltweit bekannte Barockensemble Il Giardino Armonico mit der Sopranistin Christiane Karg sein, die Arien aus vier Mozartopern singt, aber sich auch dem Werk seiner Vorgänger Niccolò Jommelli, Giovanni Battista Sammartini und J.-A. Hasse widmet; die Leitung hat Konzertmeister Stefano Barneschi.

Les Musiciens du Louvre beim Quincena Musical Fest (Iñigo Ibáñez, 30.8.2020, CC-Liz.)

Nicht zuletzt sei auf den Besuch der Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski verwiesen, die am selben Ort am 25. Juni um 20.30 Uhr drei populäre Mozart-Sinfonien auf der Basis der historischen Aufführungspraxis aufführen werden. Beim diesjährigen Mozartfestival in Würzburg liegt eine sehr ausgewogene Mischung aus dem Bemühen der Veranstalter um die Repräsentation des Originalklangs Mozartscher Werke und ihrer Fortsetzung bis ins 21. Jahrhundert vor.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.