Drei neuere Aufnahmen brasilianischer Musik

Der Bossa Nova schwingt mit

Eine interessante Mixtur aus Klaviermusik brasilianischer Komponisten spielte vor kurzem Justin Badgerow ein. Der junge US-Amerikaner tauchte damit aus dem Rampenlicht der Konzertwelt auch in diejenige der Studios ein. Eigener Aussage gemäß stellt er sich eine Zukunft als Virtuose an der Westküste der Vereinigten Staaten vor, als Dozent an einer inspirativen Musikschule, mit den Bergen, die er gerne erkunden würde, im Hintergrund.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Ein junger und erfolgreicher amerikanischer Komponist. Justin Badgerow, erweist sich auf einer neuen CD als Kenner des brasilianischen Klavierrepertoires (Divine Art/Naxos 2020, ASIN; B0863V2DBQ).

Die Abfolge der Stücke ist dramaturgisch gut gewählt, Heitor Villa-Lobos‘ Bachianas Brasileiras eröffnen nicht einem Tusch auf das weltweit bekannteste Repertoire gleich, den Reigen, sondern stehen an zweiter Stelle. Die „Ouvertüre“ bilden vielmehr Francisco Mignones Seis Preludios. Nicht durchgehend handelt es sich bei den Ausgewählten um indigene Komponisten, populäre Widmungen von Ausländern wie Darius Milhauds Saudades do Brasil haben hier ebenso ihren Platz. Mit Dansa Brasileira ist auch Mozart Camargo Guarnieri vertreten, ein guter Teil der Stücke, die den Abschluss bilden, stammt von Paulo Gondim, einem namhaften Dozenten eines Tanzinstituts, dessen Zyklus Yulesca legendär wurde, als ihn Carlos Lacerda eingespielt hatte.

Anlässlich des Todes von João Gilberto erschien eine Kompilation wichtiger Tanzstücke aus seiner Hand (Cherry Red 2019, ASI: B006GE6BT8).

An João Gilberto, den berühmten Sänger und Gitarristen des Bossa Nova, der gleich mehrere Generationen von Musikern beeinflusste, erinnert eine CD anlässlich seines Todes im Jahr 2019, die einige seiner bekanntesten Stücke, etwa O barquinho oder A primeira vez bietet.

Ein Ensemble der Deutschen Oper Berlin nahm sich der insgesamt wenig bekannten Kammermusik von Sigismund von Neukomm an (cpo 2013, ASIN: B00B0J74YU)

Aufs beginnende 19. Jahrhundert zurück verweist eine Aufnahme der Kammermusik von Sigismund Ritter von Neukomm (1778 – 1858), einem Komponisten an der Seite Mozarts, wenn auch eine Generation jünger, den es in diplomatischen Diensten unter anderem nach Brasilien verschlug. Das Kammerensemble Classic der Deutschen Oper Berlin nahm sich eines Quintetts, Septetts, Oktetts und Nonetts an, wobei nicht übersehen wollte, dass er als einer der bedeutenden Vertreter der Wiener Klassik auch ein Klavierkonzert in C-Dur komponierte, das Sopranlied Arianna a Naxos und eine Fantasie c-Moll für großes Orchester schuf.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.