Miguel da Fonseca als Wegbereiter innovativer Kirchenmusik

Erwachen der Vokalpolyphonie

Im nordportugiesischen, nicht direkt am Meer gelegenen Braga entwickelte sich seit der Renaissancezeit eine eigene Komponistenschule, die allerdings nicht an die weit ausstrahlende in Évora heranreichte. Dennoch brachte die Stadt mit Miguel da Fonseca einen Meister der Vokalpolyphonie hervor, dessen Aktionsraum weitestgehend die Kirche blieb, für die er als Kapellmeister bis nach 1544 arbeitete.

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Das Konservatorium von Braga zeigt sich von seiner kreativen und bunten Seite: Hier war der Kapellmeister Miguel da Fonseca (gest. nach 1544) tätig. (Azulejos Calouste Gulbenkian, 1.3.2011, Joseolgon, CC-Liz.),

Es wird vermutet, dass der irgendwann im frühen 16. Jahrhundert geborene Sohn der Stadt, von dem kein Bildnis bekannt ist, durch den Erzbischof Henrique in das Amt berufen wurde. Da letzterer zehn Jahre lang nicht in Braga weilte und wirkte, erlaubte sich das Domkapitel zunehmend Freiheiten in der Gestaltung der Kirchenmusik, was Fonseca ebenso wie seinen mutmaßlichen Schülern und Nachfolgern Pedro de Gamboa und Lourenço Ribeiro ermöglichte, mehrstimmige Proprien zu komponieren und dies bedeutete, die streng reglementierte Ausführung der Liturgie hinter sich zu lassen.

Die Kathedrale Sé de Braga war der vornehmliche Wirkungsort des Komponisten (Bernardo Baggio, 11.2.2016, CC-Liz.).

Moderne Stätte der Musikausbildung in Braga: Companhia da Musica (Joseolgon, 25.2.2012, CC-Liz.)

Das sogenannte Liber Introitus beinhaltet eine Menge von Miguel da Fonsecas persönlichen Werken, woraus 33 ihm direkt zugeschrieben werden, allerdings zeigt die Stilgebung, dass vermutlich auch die meisten anderen Stücke von seiner Hand stammen, abgesehen von einem älteren Agnus Dei, das Josquin Desprez zuzuschreiben ist.

Die Musikwissenschaftler João Pedro d’Alvarenga und Manuel Pedro Ferreira ermittelten, dass er sich in der Anlage seiner Kompositionen wohl – sei der Einfluss direkt oder indirekt gewesen – am wenigstens zwei Generationen älteren spanischen Musiktheoretiker Matheo de Aranda orientierte.

Einspielungen der Musik Miguel da Fonsecas

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.