Zum 1. Akademiekonzert der Saison am Theater Erfurt

Wechselbäder: Barock und Postmoderne

Ein interessantes, vor allem aber hochvirtuoses Programm konnten die AkademistInnen am Theater heute in ihrer Matinee bieten. Malte Wasem, Direktor der Orchesterakademie, moderierte durch ein buntgewürfeltes Programm, in dem der persönliche Geschmack der jungen Musikerinnen und Musiker durchaus abgebildet werden sollte. Vor technisch Schwierigem schreckt jedenfalls keine(r) von Ihnen zurück, grundsätzlich wurden komplexe Werke einstudiert und gespielt, die ebenso Erfahrung wie Raffinesse in der Gestaltung erfordern.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

In aktueller Besetzung: die AkademistInnen des Theaters Erfurt (Lutz Edelhoff, Th. Erfurt)

Henry Purcells Sonate in D-Dur für Trompete, Streicher und Basso continuo stand mit glänzenden Tönen für den Auftakt zu diesem mehr als einstündigen Wechselbad orchestraler und kammermusikalischer Besonderheiten. Der aus dem ungarischen Pécs stammende Solist Márk Sirok wusste dem aus den Medien wohlbekannten dreisätzigen den Rahmen zu geben und erzeugte ein dynamisch angemessenes Klangbild. Sekundiert wurde er nicht nur von den aktuellen AkademistInnen, sondern auch am Cembalo sekundiert vom versierten Korrepetitor Stefano Cascioli.

Die vielen spieltechnischen Möglichkeiten nutzt ‚Lachrymose‘ des Flötisten und Komponisten Derek Charke (D. Charke, Sept. 2009, CC-Liz.).

Ganz im Kontrast hierzu entführte Sophie-Therese Löser die Zuhörer virtuos mit einem Solostück für Piccoloflöte, Lachrymose (2006) von Derek Charke in die von einer teils sehr progressiven Avantgarde geprägte Moderne kanadischer Kunstmusik. Bereits Ester Esteban Solana und Christine Beard hatten zuvor dieses gleichermaßen aberwitzig schwere wie alle Möglichkeiten des Instruments ausnutzende Stück gespielt.

Von Gioacchino Rossinis nahezu singulärem Duo für Cello und Kontrabass (1824) war der erste Satz bereits zu einem früheren Zeitpunkt am Theater erklungen, nun ergänzten Mirijam Korsowsky und Hadar Kadosh den zweiten und dritten; auch dieses Werk ist in seiner Faktur äußerst anspruchsvoll erdacht, schrieb es der auch in Finanzmanagement seiner „Party“-Konzerte ausgefuchste Maestro bewusst in diesem Schwierigkeitsgrad für zwei Virtuosen, die er gegenseitig eben zum Zweck der Aufführung dieses Duos zusammenbrachte. Beeindruckend dargeboten wurde von Lukas Stubenrauch die unter dem belastenden Eindruck des Todes seiner neugeborenen Tochter geschriebene Solosonate für Violine von Bernd Alois Zimmermann aus dem Jahr 1955.

Orchesterdirektor Malte Wasem führte mit vielfältigen Informationen zu den MusikerInnen und den Werken durch das Programm der Matinee am 11. Juli 2021 (Lutz Edelhoff, Theater Erfurt).

Insbesondere das munter verspielte Trio Divertimento von François Devienne für Flöte, Klarinette und Fagott, wurde von den Musikerinnen Sophie-Therese Löser, Barbara Pfanzelt und Charlotte Sutthoff mit Brillanz und Souveränität und adäquat zu seinem „musikantischen“ Wesen präsentiert. Vor dem abschließenden gemeinsamen Auftritt aller acht AkademistInnen zu einer rein perkussiven und zwar geklatschten Clapping Music von Steve Reich auf der Basis von gleichförmigen Patterns, die nur leichte Verschiebungen im Verlauf erfahren, durfte sich das Publikum mit einer der (viersätzigen) Kirchensonaten von Georg Friedrich Händel in der Besetzung mit Cello, Violine (letztere gespielt von Kristina Hügel) und Cembalo zurücklehnen.

Für das Volumen der Trompete wäre es natürlich wünschenswert gewesen, hätte das Konzert wie vorgesehen im Theatrium, der Freiluftbühne im Innenhof, stattfinden können, doch die Wetterverhältnisse ließen es leider knapp nicht zu, daher durften die Besucher die mit Amüsement und Überraschungen aufwartende Aufführung akustisch auf gleicher Höhe im Großen Saal erleben.

Spielplan des Theaters Erfurt

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.