Töne aus den Staaten: Massachusetts, New York, Rhode Island, South Carolina

Ein einziges Menuett

Zwar nichts absolut Neues mehr, aber bei seiner Entdeckung ein Fund allererster Ordnung enthält das von dem Organisten Joseph Butler (1721 – 1805) edierte Peter Pelham Manuskript aus dem Jahr 1744 mit seinen 23 herausragenden Kompositionen für Tasteninstrumente von Zeitgenossen auch ein rares Instrumentalwerk des Pachelbel-Sohns Carl Theodorus. Dieser war auf dem Weg über England etwa im Alter von 40 Jahren in die Vereinigten Staaten gekommen und somit einer der ersten europäischen Komponisten von Rang in der Neuen Welt.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Altehrwürdiger Kirchbau in Charleston: Hier begleitete Charles Theodore Pachelbel einst die Gemeinde, die er mit virtuoser Orgelmusik beglückte (DXR, 4. Juli 2016, CC-Liz.).

Tatsächlich ist das dort aufgetauchte Menuett in C-Dur aus dem Jahr 1739, das dem Cembalo auf den Korpus geschrieben war, das einzige weltliche Werk, das aus dem Schaffen des auf Umwegen nach Boston gekommenen und schließlich in Charleston im Bundesstaat South Carolina nachgewiesenen Charles Theodore Pachelbel (1690 – 1750) auf uns gekommen ist. Klingelt der Kanon des Vaters Johann aus dessen Nürnberger Zeit heute dank seiner enormen medialen Verbreitung jedermann vertraut im Ohr, sind die überlieferten geistlichen Stücke seines Sohnes immer noch ein Geheimtipp.

Zwei Werke des einen der Pachelbel-Söhne, eine Arie mit englischem Text und ein munteres Menuett in C-Dur fanden ihren Platz in Joseph Butlers Sammlung aus dem Jahr 1744 (jstor).

Allerdings finden sich etliche davon in der Werkausgabe von Johann Pachelbel, so ein Magnificat in C-Dur, das Concerto Kommt her zu mir alle und die in den USA entstandene Arie God of Sleep for whom I languish (1744), die durch das Peter Pelham Manuskript erhalten ist.

Neuausgabe des Peter Pelham Manuskripts, das ursprünglich Joseph Butler herausgegeben hatte (Wayne Leupold, WLE, 80.WAY 600204)

 

1733 war Pachelbel an die Trinity Church von Newport berufen worden, weitere Berufstätigkeiten ergaben sich 1736 in Charleston, derjenigen Stadt, in der er eine Familie gründete und auf seine weitere Lebenszeit ansässig wurde. Vier Jahre nach seiner Ankunft dort, 1740, erhielt er das Organistenamt an der St. Philips Church. Überliefert ist auch, dass er bei einem längeren Aufenthalt in New York mehrere Konzerte sowohl mit Vokal- als auch Instrumentalmusik gab, selbst also keineswegs auf die Liturgie (alleine) abonniert war …

Literatur u.a.

Oscar George Theodore Sonneck: Early Concert-Life in America, New York 1949

 

 

 

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.