Die Sängerin und Komponistin Francesca Lebrun

Von der weiblichen Hälfte eines raren Duos

Auch wenn man in Fragen der Besetzung bei Kammermusik in der Vorklassik ebenso wie um 1700 gerne unkompliziert war und je nach MusikerInnenpräsenz das eine oder andere Instrument statt des vom Komponisten intendierten verwendete, so musste das Duo Francesca und Ludwig August Lebrun doch ein seltenes konzertantes (Hör-)Bild abgegeben haben.

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Der renommierte Hofmaler Thomas Gainsborough schuf in London um 1780 dieses Gemälde der jungen Hofopernsopranistin Francesca Lebrun-Danzi (GB p.d.).

Das virtuose Ehepaar ließ sich mit virtuoser Sopranstimme und Oboe auf den Bühnen der Zeit  feiern, obwohl es eher der Konvention entsprochen hätte, ein harmonie- und rhythmusgebendes mehrstimmiges Instrument wie Cembalo oder Laute zur Oboe zu ergänzen und nicht zwei einzelne Stimmen miteinander antreten zu lassen; hier setzte sich wohl der Überraschungseffekt durch und sorgte für Aufsehen.

Francesca (1756 – 1791) war ein Spross der Familie des am Mannheimer Hof wirkenden italienischen Cellisten Innocenz Danzi, der sowohl seine Tochter als auch den später in München ansässigen Bruder Franz Ignaz, dessen Bläserkammermusik besondere Beachtung verdient, unterrichtete. Beide genossen in Folge auf den häuslichen Unterricht Stunden im Tonsatz bei dem berühmten Georg Joseph Vogler, einem aus heutiger Sicht zentralen Vermittler der Neuerungen der Mannheimer Schule an die sich ausformende Wiener Klassik.

Das Mannheimer Schloss war lange die Residenz des Kurfürsten Karl Theodor, der als Mäzenat viele Musiker aus ganz Europa beschäftigte und insbesondere die innovativen Komponisten aus Böhmen protegierte, die heute als „Mannheimer Schule“ bekannt sind (twconnell, 29.3.2008, CC-Liz.).

Entscheidend war für Francescas Durchbruch als Sopranistin schon mit 16 Jahren die frühe Ausbildung zur Opernsängerin bei Dorothea Spurni, der damaligen Primadonna der Hofoper. Schon bald debütierte die „Nachwuchskraft“, bald als virtuosa di camera tituliert, mit der Rolle der Rosalie in Florian Gassmanns L’amore artigiano am Schwetzinger Hof des Kurfürsten Karl Theodor. Doch war sie nicht an Mannheim gebunden, häufig sie vielmehr auswärts, an den Theatern in München, Berlin, London, Neapel und Venedig. Zwei Jahre lang, von 1779 bis 1781 war sie am Londoner King’s Theatre verpflichtet.

Auch der Aufstieg Francesca Lebruns in Mannheim ist ursächlich der großzügigen Musikförderung des Kurfürsten Karl Theodor von Bayern und der Pfalz (1724 – 1799) zu verdanken gewesen (Gemälde von Anton Hickel, Auktion Hampel, 25.3.2011, D p.d.).

Zweiundzwanzigjährig heiratete der weibliche Komet am Mannheimer Musikerhimmel den hier gewissermaßen als Star-Oboist bereits eingeführten Ludwig August Lebrun in London. Spätestens um die Hochzeit herum begann die gemeinsame Karriere des Paars vor Publikum in der Aufführung von Arien mit obligater Oboe. Auch als Komponistin erfuhr Francesca Lebrun unter den wenigen populären Musikerinnen ihrer Zeit große Anerkennung.

Ihre bevorzugte Form war die Kammersonate in wechselnden Besetzungen: Im Laufe ihrer vergleichsweise durchaus gut bezahlten Stellung als Hofopernsängerin schrieb sie bevorzugt Sonaten für Cembalo oder Klavier mit Violinstimme, von denen etliche erhalten sind und weiterhin die Konzertprogramme bereichern. Im Jahr 1790 erhielt sie ein Engagement an der königlichen Oper Berlin, das sie aber nach dem kurz vorhergegangenen Verlust ihres Mannes nicht mehr wahrnehmen konnte. Sie hinterließ zwei Töchter, die selbst erfolgreich als Pianistinnen, Sängerinnen und Komponistinnen in Erscheinung traten.

Sonaten für Tasteninstrument und Violine

Diskographie Francesca Dorothea Lebrun

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.