Meisterwerke der polnischen Musik XLVIII

Querbeet durch die Repertoires

Ein zentraler Komponist Danzigs im 20. Jahrhundert war Henryk Jabłoński. Als junger Cellist wirkte er im Symphonieorchester der nicht nur wegen ihres Hanse-Seehafens berühmten Ostseestadt mit, bevor der hochbegabte Musiker die Leitung des Chors im Polytechnikum übernahm und in Folge denjenigen der Schiffstechniker dirigierte.

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Sitz des Danziger Radios Wrzeszcz heute (Artur Andrzej, 9.7.2011, CC-Liz.)

Die im neuen Medium Radio aufgekommene Unterhaltungsmusik war während der schweren Jahre des Zweiten Weltkriegs sein eigentliches Metier gewesen; er war in dieser Zeit als Mitglied verschiedener Combos aufgetreten, wo er außer dem Violoncello auch das Klavier gespielt hatte. In gewisser Weise blieb der bei Kazimierz Wiłkomirski ausgebildete Komponist populären Genres treu. Seine Bearbeitungen kaschubischer Volksmusik entstanden gleichermaßen für den Rundfunk, bei dem er mit dem Polnischen Radioorchester Danzig zusammenzuarbeiten begann.

Elżbieta Dziębowskas biographischer Eintrag zum Komponisten Henryk Jabłonski (1915 – 1989) in der Polnischen Musikenzyklopädie (Polskie Wydawnictwo Musyczne, CC-Liz.)

Für Aufnahmen mit diesem Klangkörper schrieb er Filmmusik, komponierte aber ebenso Lieder, die von damals namhaften Sängerinnen und Sängern aufgeführt wurden, etwa von Violletta Villas oder Barbara Dunin. Während all der Engagements, die ihn gleichermaßen als Musikpädagogen an die Staatliche Musikhochschule führten, arbeitete er ständig auch am klassischen Repertoire weiter und gewann hier etliche über die Stadt Danzig hinaus wirkenden Künstlerpreise. Sein Sohn, der 1945 geborene spätere Cellist Roman Jabłoński, wurde ebenso eine Person des öffentlichen polnischen Lebens; der Hochschuldozent spielte als Solist mit vielen Orchestern weltweit, etwa mit den New Yorker Philharmonikern.

Das Carillon in der Danziger Katharinenkirche (Hans-Peter Balfanz, 4.8.2017, CC-Liz.)

 

 

 

Henryk Jabłoński kannte keine Bevorzugung bestimmter Formen oder Besetzungen; vielmehr war er originell in seinem Schaffen. Ihn beschäftigte innerhalb der klassischen Gattungen ein möglichst breites Spektrum:

Mit der namhaften Altistin Marta Mirska (1918 – 1991) führte Jablonski den Tango ‚Pierwszy siwy włos‘ auf (Polskie przeboje Vol. 1, 1947 – 1957).

So komponierte er nach dem Soundtrack zu Filmen wie Pogodne Lato (1956) oder Lejek (1957) im Jahr 1959 Drei Stücke für Mandolinorchester, Muzyka für Violine und Klavier, das Ballett Frak (1967), ein Klavierkonzert und Zwei Miniaturen für Gitarre allein (beide 1973), Mosty („Brücken“) für Orchester (1975) oder ein Konzert für Orgel, Tenor oder Sopran und Glocken (1983), letzteres nicht ohne von den besonderen Kirchenglocken(spielen) seiner Heimatstadt inspiriert worden zu sein …

Suita chmur: Clouds – Symphonic Suite (1948)

Diskographie Henryk Hubertus Jabłonski

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.