Seltene Treffen von Bouzouki und Symphonieorchester

Erfolgreicher Prototyp

Ein Traum von Thanasis Polykandriotis war es, für Bouzouki und Symphonieorchester zu schreiben. Der lange gehegte Plan wurde Realität, als er 1996 sein erstes Konzert dieser Art im Herod Atticus Odeon von Athen dem Publikum vorstellen durfte. Das „Experiment“ glückte, die Verschmelzung der westeuropäischen, akademisch basierten Tradition mit den Klängen eines folkloristischen Instruments war gelungen, während es bereits längere Zeit zuvor Einzug in den Jazz gehalten hatte.

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Ein griechischer Matrose spielt die Bouzouki (19. Jahrhundert. 27.2.2019, CC-Liz.).

Dabei hatte es lange gedauert, bis die Bouzouki und ihre Verwandten en miniature, Baglamas und Tzouras, auf die klassische Konzertbühne gefunden hatten. Seit dem Erscheinen seiner Bouzouki-Schule 1999 rührte der 1949 in Athen geborene Musiker und Komponist Thanasis Polykandriotis in den großen Häusern weltweit für sein Instrument als Solist die Werbetrommel, sei es in Havanna, Johannesburg oder Shanghai.

Der Tonumfang der Bouzouki (ADAD, CC-Liz.) Andrey Sudarikov, April 2008, CC-Liz.) reicht vom a der kleinen Oktave bis zum fünfgestrichenen c.

Die Entstehungsgeschichte der Bouzouki hält einige erstaunliche Details bereit. Das mit der Mandoline verwandte, mit drei oder vier Doppelsaiten aus Metall versehene Instrument wurde ursprünglich zwar aus einem einzigen Holzblock geschnitzt, doch ging man später dazu über es wie die Mandoline aus Spanholz zu fertigen. Das Griffbrett der Bouzouki umfasst 26 Bünde, gespielt wird in der Regel mit Plektron, angesichts größerer Foren verstärken es Musiker auch gerne elektrisch.

Thanasis Polykandriotis (geb. 1948) stellt auf dieser CD 20 für das Spiel mit der Bouzouki bearbeitete Volkslieder vor (MINOS EMI 2007, ASIN : ‎ B00DHPYJGG).

Unter anderem bei Mikis Theodorakis (1925 – 2021), der es 1964 für seinen bekannten Sirtaki einsetzte, dient es häufig dazu, eine folkloristische Kulisse zu unterstützen. Mit der Balalaika zeigt die Bouzouki insofern verwandte Züge als sie vorzugsweise als Ensembleinstrument gebraucht wird – was ihre solistischen Möglichkeiten nicht in Abrede stellt. Ein jüngerer, seit seinem Konzert von 2016 beachteter Komponist für Bouzouki mit Orchester ist der Pianist des Vangelis Trigas Music Ensemble, Theodore Broutzakis.

Theodore Broutzakis: Konzert für 2 Bouzoukis und Orchester

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.