Kodax Strophes/Martyn Bates - Post-War Baby

Poetologie aus Kindertagen

Kodax Strophes/Martyn Bates: „Post-War Baby“ (Hive Arc)

Zum wiederholten Mal widmet sich der britische Folk-Renegat Martyn Bates der Interpretation. Von Gedichten des walisischen Dichterfürsten Dylan Thomas. Und dies – nach zuletzt eher gebügelt anmutenden Abweichungen an der Seite von Anne Clark – wieder ganz im Sinne psycho-akustischer Indikation. Sowie der Erzeugung von ätherisch diffundierenden Stimmungsschwankungen.

Von prekären Stimmungen und „Atmosphären“, die sich von den lyrischen Vorgaben wiederum emanzipieren, indem sie einer genuin persönlichen Nostalgie geschuldet sind. Wer indes erwägt, auf Post-War Baby (Hive Arc) jenem schwelgerischen Herbst-Pop wiederzubegegnen, mit dem Martyn Bates und Eyeless In Gaza einst eine gewisse Popularität erlangten, braucht darauf also gar nicht erst zu hoffen.

Im Alleingang eingespielt (der Projektname „Kodax Strophes“ schlägt u. a. eine sinnlich subtile Referenz-Brücke zu Alben/Kompilationen wie Kodak Ghosts Run Amok oder auch Caught in Flux), dabei sehr präsent mit Shares und Chimes hantierend, bleibt der nach wie vor wahrhaft einzigartige, derilierend jubilierende Gesang Dreh- und Angelpunkt des flukturierend irritierenden Geschehens. Das akut verwitternd anmutende, periphär Verhuschte erfährt hier seine Konkretisierung, – welche sich jedoch als ebenso unzuverlässig erweist wie das gesamte Setting, dem das Prädikat „geisterhafter Erscheinungen“ gut zu Gesicht stünde.

So jene Phantasmagorien, die sich Martyn Bates qua Rezitation zu eigen macht – um sie katalytisch wieder zu entäußern – auf das eigene Empfinden als Post-War Child fußen, erlangt das Album eine höchst intime Meta-Ebene. Eine „Authentizität“, deren Ausdruck jedoch – zumindest simultan – keinerlei erläuternde Funktion aufweist. Aus dieser konsequent beibehaltenen Unverfänglichkeit des Timbres bezieht das Post-War Child seine sich in zig chromatischen Brechungen ergehende Impulsivität, die Martyn Bates meisterhaft pointierend kondensiert.

Juvenile Schauerromantik im Affekt eines effektiv gespreitzen Kammermusik-Formats? Mag sein, doch – was spricht angesichts diesem opak-transluzenten (dabei stets kaum zu ortenden) Amalgam aus fixierter Poesie, zerschlissener Erinnerung und Wachtraum-Exegese dagegen?

eyelessingaza.com
kodaxstrophes.bandcamp.com

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