Funktion oder Name: Nichteindeutiges über antike Blasinstrumente

War die Bucina ein Vorläufer der Posaune?

Ist es naheliegend, einen Zusammenhang zwischen einer militärischen Signaltrompete, die die Römer seit der Antike gebrauchten, und einem Blasinstrument von Hirten über die Art des Signals herzustellen, wie dies der namhafte klassische Philologe Günther Wille tat? Das Auftauchen der Bezeichnung buccina oder buccinum in verschiedenen Quellen, etwa in einer späten Aussage von Isidor von Sevilla etwa um 623 n. Chr., legt jedenfalls nahe, dass beide Formen, aus Tierhorn gefertigt oder aus Metall, anlässlich von Versammlungen, seien es nun menschliche oder tierische, als Signalgeber genutzt wurden. In Pompeji wurden bei Ausgrabungen drei Exemplare einer Bucina sichergestellt.

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Die zwei venezianischen Triton-Figuren mit Muschelhörnern wurden um 1590 hergestellt. (Salico, 2001, CC-Liz.).

Bucina wurden in Quellen zur griechisch-römischen Mythologie die Muschelhörner des Meeresgotts Triton genannt. Die etymologisch plausibelste Worterklärung verweist auf eine Zusammensetzung aus griechisch bous bzw. lateinisch bos („Rind“) und canere („singen“), womit ein Stierhorn als originäres Instrument gemeint gewesen sein könnte.

Von den Römern wurden seit der Antike als ‚buccina‘ benannte Signalhörner aus Metall genutzt (Encyclopedia Britannica, 1911, GB p.d.).

So ist es heute strittig, ob die Nennung in verschiedenen Kontexten nun lediglich eine Funktion ganz verschiedenartiger Instrumente (im Heer) bezeichnet, deren tatsächliche Namen in verschiedenen Kontexten und Regionen oder einen bereits früh festgelegten Sammelbegriff, was für die älteste Quelle, eine Klassifizierung des Grammatikers Marcus Valerius Probus aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert spricht.

Ein von Ambrogio Santucci zwischen 1820 und 1840 angefertigtes Horn dieser Art namens ‚buccina‘ hat nichts mit der nahezu gleichnamigen (Zug-)Tenorposaune in Berlioz‘ Messe zu tun, auch wenn diese ebenso einen Tierkopf am Schalltrichter aufweist (Hans Skoglund, 14.11.2017, CC-Liz.).

Im Jahr 1534 wird ein Blasinstrument mit Zugmechanik als Bucina erwähnt, womit wohl die (spätere) Posaune gemeint ist, deren Name sich aus dem altfranzösischen buisine herausbildete. Wegen des voluminösen Tons, der damit hervorgebracht wird, wird sich im Laufe der Jahrhunderte seit der Antike wohl der Gebrauch als militärisches Signalinstrument durchgesetzt haben. Ein Buccin mit Tierkopfschallbecher im Sinne einer Tenorposaune, das de facto während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in französischen Militärkapellen eingesetzt wurde, sieht Hector Berlioz in seiner Messe solennelle von 1824 vor.

Literatur u.a.
Günter Fleischhauer: Bucina und Cornu. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Wittenberg IX, 1960.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.