Ukrainische Komponist/Innen I

Lautenvirtuose der Vorklassik

Die Kobsa ist eine sechssaitige genuin ukrainische Schalenhalslaute, die bereits im 16. Jahrhundert namhaft wurde. Allerdings liegen seither und zumindest bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts zwei Varianten vor,  von denen die erste als Knickhalslaute mit der rumänischen cobză verwandt ist, die andere eine Langhalslaute darstellt. Aus ihr ging die größere Bandura hervor, deren Saiten asymmetrisch angeordnet sind, wodurch ihr Bautyp der Kastenzither ähnelt; sie ersetzte seit etwa 1900 die ältere Kobsa.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Die Kobza gehört zur Familie der Schalenhalslauten, zweigt sich aber in eine Langhals- und eine Knickhalsvariante auf. (Abyshi, 8.2.2015, CC-Liz.).

Ihre Handhabung und Beherrschung war, und dabei handelt es sich um ein ziemliches Kuriosum, blinden Barden vorbehalten, die sowohl christliche geistliche Lieder spielten und dazu sangen, andererseits dumky, die epischen Heldengesänge der Kosaken, dazu vortrugen. Der bekannteste dieser Musiker war Ostap Weressai, der selbst aus Kaljuschynzi im Gebiet von Tschernihiw kam. Der von früher Jugend an Blinde studierte ab seinem 15. Jahr die Kobsa und erreichte danach, sowohl hinsichtlich der Aufführung von Folklore als auch historischen Liedguts den Ruf hoher Virtuosität; über den Komponisten, Dirigenten und Pianisten Mykola Lyssenko wissen wir von seinem persönlichen Repertoire. Bemerkenswert ist, dass der 1803 geborene spätere Musiker in Kiew zum erstenmal 1871 in der Öffentlichkeit auftrat.

Der auch kalligraphisch besonders ansprechend ausgestaltete Lautensatz scheint eine der wenigen Kompositionen Bilohradskyjs zu sein, die von ihm noch bekannt sind (http://torban.org/images/byelogradsky.pdf).

Bedauerlicherweise liegt zu einem der bedeutendsten ukrainischen Schöpfer von Kunstmusik für Kobsa und Laute, Timofij Bilohradskyj (etwa 1710 – etwa 1782), kein Porträt vor. Vermutlich stammte er aus der Nähe von Cherkasy, ziemlich genau in der Landesmitte gelegen. Er erlernte das Spiel der Laute ebenso wie das der Kobsa an der Musikakademie von Hlukhiv. Dank der Aussendung durch die russische Zarin Anna aus St. Petersburg im Jahr 1733 kam er nach Dresden unter die Obhut des Grafen Keyserlinck und konnte sein Lautenspiel bei dem maßgeblichen Komponisten der Zeit für dieses Instrument, Sylvius Leopold Weiss, vervollkommnen.

Gemälde des russischen Dichters und Theaterautors Alexander Sumarokow, dessen Liedtexte von Bihloradskyj häufig in Musik gesetzt wurden (Anton Losenko, RU US p.d.).

1739 kehrte er nach St. Petersburg zurück und wandte sich wiederum nach Deutschland. In Königsberg unterrichtete er nebst vielen anderen Studenten Johann Reichardt und den Stürmer und Dränger Johann Georg Hamann. Die letzten Lebensjahre muss der Virtuose, Komponist und Musikpädagoge wiederum in Petersburg verbracht haben. Bekannt wurde Bilohradskyj vor allem wegen seiner Liedvertonungen auf Verse des Lyrikers und Dramatikers Alexander Sumarokow (1717 – 1777), dessen Popularität er durch das Zeitalter der Aufklärung hindurch wesentlich beförderte.

Andante aus einer Lautenkomposition Timofij Bilohradskyjs

Literatur u.a.
Marina Ritzarev: Eighteenth-century Russian Music. Aldershot 2006. S. 39, 56.

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.