In Toronto: Engagiert für Komponistinnen seit mehr als vierzig Jahren

ACWC

Computer(gesteuerte) Musik setzte sich nach John Cages multimedialen Experimenten in den 1980er Jahren durch. Insbesondere Raymond Murray Schafers Konzept Soundscape, das die akustische Umwelt in den Mittelpunkt des Interesses rückte, setzte sich durch und beeinflusste weitere kanadische Komponisten wie Alvin Curran oder Robin Minard nachhaltig.

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Die Organisation der Gesellschaft kanadischer Komponistinnen (ACWC) ist heute im Canadian Music Centre in Toronto beheimatet. Das Anliegen, kanadische Komponistinnen zu fördern, ist noch immer „work in progress“ (Tabercil, 29.5.2010, CC-Liz.).

Zehn Jahre bevor sich zum Ende des vergangenen Jahrhunderts in ganz Nordamerika innerhalb der Musikgenres eine Vielfalt an Stilen separierte und das Bedürfnis nach Stilmischungen merklich zurückging, begründete die Schriftstellerin und einstige Rundfunksprecherin Carolyn Lomax zusammen mit der auf Elektroakustik spezialisierten, aber auf einer klassischen Ausbildung aufbauenden Komponistin Ann Southam, Mary Gardiner und Maggie Burstyn in Toronto die Gesellschaft kanadischer Komponistinnen. Sie hatte es sich zum Ziel gesetzt, sowohl die Aufführung von Werken weiblicher Tonschaffender im Land, deren weltweite Kenntnisnahme, die Ausschöpfung ihres kreativen Potenzials zu fördern ebenso wie die Durchsetzung hoher Standards in der Ausbildungsqualität von ausführenden und schöpferischen Musikerinnen zu erreichen.

Nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich in Nordamerika Non-Profit-Organisationen, die Aufstiegsmöglichkeiten weiblicher Kunstschaffender förderten (Women composers, 1924, Library of Congress, US p.d.).

Wohl wissend, dass männliche Kollegen es über Jahrhunderte gewohnt waren, Netzwerke und Bündnisse zu schmieden und ihre Karrieren untereinander zu ermöglichen, wurden in der 1980 ins Leben gerufenen Association of Canadian Women Composers nur Frauen als Mitglieder zugelassen, da als Ziel die gegenseitige Begünstigung weiblicher Musikschaffender gesteckt wurde. Seit 2021 leitet die aus Virginia stammende und in mehreren popularen und klassischen Stilen versierte Komponistin Carol Ann Weaver die Organisation.

An der Universität von Waterloo, Ontario, unterrichtet Carol Ann Weaver Komposition, wobei die Orientierung an popularer Musik einen Schwerpunkt bildet (JFVoll, 29.8.2021, CC-Liz.).

Carol Ann Weaver hatte sich mitten in einer männlichen Domäne an den Universitäten Bloomington und Ann Arbor, wo die Pianistin Theorie und Komposition studierte, erfolgreich ihren Platz erkämpft und unterrichtete an wenigstens vier Universitäten und Musikhochschulen Nordamerikas. Darüber hinaus arbeitet sie fortwährend im Territorium der Praxis: Mit der Folkrock-Sängerin Rebecca Campbell war sie seit längerem auf Konzerttournee und bildet mit dem Mandolinisten Lyle Friesen das Duo Mooncoin, das sich ebensowenig auf klassisch basierte Kunstmusik, vielmehr auf New Grass und Fusion Jazz verlegt hatte.

Im laufenden Jahr 2022 profitierten zwei „Nachwuchs“-Künstlerinnen von Stipendien der Stiftung Association of Canadian Women Composers, Alexandra Fol und die Pianistin Hyun Hee Deborah Park.

Newsletter Archive ACWC

Literatur u.a.

Anne K. Gray: The world of women in classical music. San Diego u.a. 2007.

Anna Hoefnagels, George Edward Smith (Hg.): Folk Music, Traditional Music, Ethnomusicology. Canadian Perspectives. Past and Present. Kongressbericht. Ottawa 2006.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.