Töne aus den Staaten: Rhode Island, New York State, Wisconsin

Erstmals notiert: Indianische Musik

Im Südwesten Nordamerikas begannen im 17. Jahrhundert Indigene Elemente christlich und europäisch basierter Kunstmusik in ihre Klangkunst zu übernehmen oder wenigstens ihre Notation zu adaptieren. Mischformen repräsentiert unter anderem der von Mexico herrührende innovative schnelle Gesang des Peyote-Kults, dessen Pflege und Entwicklung sich bis heute fortsetzt.

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Erstpublikation der ‚Indian Melodies‘, Titelseite (Esq. New York 1845, US p.d.)

Vermutlich der erste Indianer, dessen Kompositionen notiert wurden, war Thomas Commuck, dessen Schaffen ins zweite Drittel des 19. Jahrhunderts fällt; sein Erbe wirkt bis heute nach, denn in den Vereinigten Staaten existiert eine etablierte Szene von Tonsetzern der „ersten Nation“.

Commuck gehörte dem Stamm der Narragansett an, die seit Generationen Rhode Island im äußeren Osten der USA bewohnten. Als Kind trat er bereits in eine Gemeinschaft ein, in der Indianern und anderen nicht dem westlichen oder afrikanischen Typus entsprechenden Bürgern der Gospel beigebracht werden sollte. 1814 zog Commuck in den Bezirk Oneida im Staat New York um, wo er einer Gemeinde von Mohikanern und Pequots beitrat. Von letzterem Stamm heiratete er die Pequot-Frau Hanna Abner und lebte fortan mit ihr in einer Gemeinschaft in Wisconsin innerhalb einer Gemeinschaft von Brothertown Indians, die sich wiederum aus Pequots und Mohikanern zusammensetzte.

‚Qapaw‘ (aus der Sioux-Sprachfamilie) und ‚Huron‘ (aus der Wyandot-Sprachgruppe): zwei Melodien nordamerikanischer Indianerstämme aus der Feder eines bedeutenden Retters indigener Traditionen, Thomas Commuck (Esq. New York 1845, p. 9, US p.d.).

Aus heutiger Sicht initiativ und einmalig war seine erste Veröffentlichung von Indian Melodies aus dem Jahr 1845, die von dem Hymnenkomponisten Thomas Hastings zu einer mehrstimmigen Komposition in klassischer Tradition ausharmonisiert wurde. Aus der Sammlung stach besonders das Lied Lone Pilgrim heraus, das Benjamin Franklin White aufgriff und in angepasstem Arrangement im Anhang seiner Ausgabe der Sammlung The Sacred Harp von 1850 veröffentlichte. Später diente Commuck seinem auserwählten Stamm in Green Bay, einer heute größeren Stadt im Staat Wisconsin, in vielerlei Funktionen, auch als Historiker der Gemeinde; einige glaubten, er sei dort 1855 auf nicht natürliche Weise beim Fall in eisiges Wasser ums Leben gekommen sein.

In Green Bay Downtown. Hier wirkte Thomas Commuck (1804 – 1855), der Urheber der Edition ‚Indian Melodies‘, als Postbeauftragter, Historiker und Komponist für die indianische Brotherhood-Gemeinde (6.6.2007, Milwaukee 3181, SreeBot, US p.d.).

Das universitär verortete Yale Indian Paper Project ist derzeit damit beschäftigt, die Werke des mutmaßlich ersten in westlicher Notation komponierenden Indianers zu digitalisieren, um es für die Weltöffentlichkeit verfügbar zu machen.

Neuausgabe der einzigartigen Sammlung indianischer Melodien (ISBN13:‎ 978-194432294-6, 2017)

 

 

 

 

 

 

Literatur u.a.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.