Pfade durch die Musiklandschaft Australien LXXXII

Publikum und Ökonomie

Auf dem fünften Kontinent kümmern sich verschiedene Dachverbände um die Förderung zeitgenössischer Kunstmusik: Im Unterschied zu bestimmten europäischen Ländern, insbesondere Deutschland, gibt es eine öffentliche Förderung auch der Konzertauftritte von Pop-, Jazz-, World- oder Indie-Musikern, die vom Live Music Australia Program mit 20 Dollar Zufinanzierung verantwortet wird.

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Von großem öffentlichen Interesse Das Bläserorchester der Universität Sydney zum großen Abend in der Verbrughen Hall Sydney (28. 10.2017, CC-Liz.).

Mentorenprogramme wie Women in Music oder das Indigenous Contemporary Program werden zu gleichen Teilen staatlich mitfinanziert: Die Summe betrug von 2019 bis 2020 jeweils 2 Millionen australische Pfund. Es existiert auch ein eigener Fonds zur Ermöglichung von Konzerttouren durch Australien, wobei sich die Unterstützung auf regionale Events und Konzertorte mit weiten Distanzen zum Ausgangsort fokussiert. Diese vier subventionierten Bereiche des Musiklebens in „Down Under“ werden ergänzt durch ein im selben Zeitraum von 2 Jahren mit 1,5 Millionen australischen Pfund veranschlagten Fonds namens Sounds Australia zur Förderung der kommerziellen Verbreitung australischer Musik auch außerhalb des Landes und insbesondere im asiatischen Raum. Darüber hinaus gibt es wie mit der GEMA in Deutschland eine Institution, die die Wahrung der Rechte am eigenen Werk der Komponisten wie der Musiker wahrnimmt.

Die Pianistin Jade Leonard (geb. 1981) ist eine australische Sängerin und Pianistin, die vor allem für ihre lyrische Ausrichtung sowohl als Sängerin als auch am Klavier und in ihren Kompositionen bekannt ist (Vipul kataria, 27.3.2009, CC-Liz.).

Zeitgenössische Musik im öffentlichen Leben trifft australienweit auf großes Interesse, was sicher auch damit zusammenhängt, dass die Talentschmieden, insbesondere Musikhochschulen und Universitäten mit Musiksektion, etwa in Melbourne, Sydney und Adelaide, progressiv ausgerichtet sind und ebenso persönliche Originalität in Form und Thematik als auch Experimentierfreude und Erfindungsgabe auf technologischem Gebiet und die Vermischung von Stilen und medialen Quellen zum Zweck der Generierung neuer Formate seit vielen Jahren fördern. Wirft man einen Blick auf die heutige Zahl der bekannten Komponistinnen und Komponisten australischer Provenienz, wird deutlich, welchen Zuspruch Musikkreative beim Publikum erfahren. Hinzu kommt der rege Austausch mit umliegenden asiatischen Ländern, deren musikalische Idiomatik neue Prozesse in der Entwicklung von Stilen stimuliert.

Australian Music Vault, Mai 2022: Der Aufnahmeraum zeigt neuere und neueste Synthesizer (Jimmyjrg, 24.3.2022, CC-Liz.).

Abgesehen davon, dass die Erzeugung von Musik auf diversen Gebieten einen wesentlichen ökonomischen Faktor schon an und für sich darstellt (man denke nur an das Konzertwesen oder Vertriebslizenzen bei Aufnahmen und bei der Veröffentlichung von Noten, schafft der gesamte Geschäftssektor immer weiter neue Arbeitsplätze. Das kontinuierlich ansteigende Interesse an publizierter und aufgeführter Musik führte schon im Jahr 2016 zu einem Zuwachs von 40 Prozent über der durchschnittlichen Zunahme bei anderen industriellen Sektoren. Hinzu kommt, dass Veranstaltungen und Konzertreihen häufig von industrieller Seite mitfinanziert werden, auch in Form von Stipendien und dass Aufträge durch Orchester an Komponisten vergeben werden, was eine in Australien konventionelle Praxis darstellt, da es nicht zuletzt auch die Ausführenden und die Veranstalter fördert.

Australische Kompositionstrends seit 2010

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.