J.A. Hasse als Instrumentalkomponist

„Nebenprodukte“ eines Schaffens – heute in den Konzertkalendern

Es ist vor allem einem zu verdanken, dass die bislang nur am Rande wahrgenommenen Instrumentalwerke eines der angesehensten Komponisten des Spätbarock, J.A. Hasse, wieder ans Tageslicht und ins Konzertleben gelangten: dem langjährigen Leiter des Ensembles Antiqua Musica Köln, Reinhard Goebel, der in Konzerten dem Publikum immer wieder Kammermusik des großen Meisters der italienischsprachigen Oper nahebrachte und dessen Einspielung verschiedener Werke unter dem Titel Salve Regina mit Barbara Bonney und Bernarda Fink ausgezeichnet wurde.

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Einige Jahre verbrachte Johann Adolph Hasse, gezwungen durch Kriegsumstände, auch in Wien (Edgard Haider: Verlorenes Wien – Adelspaläste vergangener Tage. Wien 1984, A p.d.).

Diese Aufnahme enthält neben den zwei geistlichen Vertonungen des Salve Regina in A-Dur und Es-Dur (es gibt von Hasse noch eine weitere in F-Dur) die Ouvertüre zur Oper Cleofide, eine Sinfonia in F-Dur (op. 3, Nr. 5) sowie Fuga & Grave g-Moll, drei markante Werke, die die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten des zu Lebzeiten hochbeliebten „Caro sassone“, dem freilich die ihm angetraute berühmte Sängerin Faustina Bordoni in nichts nachstand, spiegeln.

Einer der angesehensten Opernkomponisten um 1750: Johann Adolph Hasse (1699-1783) (Gemälde von Balthasar Denner, J.A.-Hasse-Museum, US p.d.).

Allerdings war es schließlich die Formation Epoca Barocca mit dem Fagottisten Sergio Azzolini, die Sonaten und Triosonaten Hasses bei Chandos für den Deutschlandfunk einspielte. Diese mittlerweile häufiger auf den Konzertkalendern erscheinenden Preziosen der Kammermusik sind ebenso verspielt wie tiefgängig in den langsamen Sätzen und weisen ein hohes Maß an polyphon-kontrapunktischem Können auf, das den italienischen Meistern der Zeit, etwa Baldassare Galuppi, in nichts nachsteht. Dennoch ist nur ein kleiner Teil von den nebenbei entstandenen Instrumentalwerken auf Tonträger aufzufinden.

Kammermusiker führen eine Triosonate auf (18. Jh., L’Iconographie de l’Orgue et du Clavecin 18th century book, F/US p.d.).

Dabei schrieb der emsige, aus Bergedorf bei Hamburg stammende Opernmeister außer den Flöten- und Violinsonaten zwölf sechsstimmige Concerti mit Basso continuo, Kammerconcerti für Violine und Oboe, sechs Symphonien für Violine, Viola und Cembalo, weitere Kammermusik mit solistischer Geige und Flöte sowie sechs Cembalosonaten, die – wie fast alle der Instrumentalwerke, zuerst in London veröffentlicht wurden.

Noten und Audios

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.