Das Potpourri-Programm des Freisinger Orchesterkonzerts am späten Sonntagnachmittag findet – jahreszeitlich betrachtet – seine Parallele in der farbenfrohen Belaubung von Buchen und Eichen. Denn es ging wahrhaft kunterbunt durch die Musikgeschichte zwischen Vorklassik und Spätromantik, in einer zwar unhistorischen, aber doch sinnhaften Reihenfolge präsentiert, angefangen bei Schubert, gefolgt von Carl Philipp Emanuel Bach, nach der Pause allerdings historisch genauer weitergeführt von Rossini über Tschaikowsky zu Sibelius.
Fünf Deutsche Tänze von Franz Schubert bildeten den effektvollen Einstieg, nicht nur ihrer hohen Popularität wegen, sondern auch wegen ihrer Referenz auf deutlich ältere Musik, aus der die verwendeten Melodien teils herrühren. Versenkung in Alte Musik bot das Freisinger Kammerorchester Trisono anschließend mit dem Konzert für Fagott und Orchester in A-Dur vom zweitältesten der überlebenden Söhne J.S. Bachs. Sergio Azzolini machte dieses Konzert, das meist in einer Version mit Violoncello als solistischem Instrument gespielt wird, durch eine Fassung mit Klavier populär und spielte es des öfteren. Die Solistin des Spätnachmittags am Fagott war Nana Ozaki, Meisterschülerin von Dag Jensen an der Hochschule für Musik Hannover. Der makellose Klang des Instruments in idealstimmiger Verbindung mit einem Klangkörper, der weitgehend den Kriterien „historischer Aufführungspraxis“ folgte, ließ durchaus den Gedanken aufkommen, dass das tiefe Holzblasinstrument den besten komplementären Ton trifft, mehr noch als Cello oder Traversflöte.
Die amüsante und gleichzeitig komplexe Sonate G-Dur für Streicher von Rossini setzte das Programm fort. Den Eindruck einer etwas schleppenden Einstimmung der Violinen im Eingangssatz wischte die Präsentation von Tschaikowskys Streicher-Elegie in G-Dur und ebenso Sibelius‘ Impromptu nach op. 5, Nr. 5 und 6, beiseite. Das bemerkenswert gute Niveau des Orchesters aus der Freisinger 3klang-Schmiede erfuhr insbesondere nach dem Bach-Konzert, auf das ein Satz aus einem der Konzerte des Vaters Johann Sebastian zur Zugabe folgte, reichlich Applaus.
Nicht zuletzt war dies dem Dirigenten Andreas Stadler zu verdanken, der ursprünglich Flöte in Winterthur und Siena studiert hatte, sich seit seinen Konzertauftritten als Kammermusiker aber immer mehr dem Dirigentenfach verpflichtet hat. Im Raum der bayerischen Hauptstadt ist er für seine Einstudierung zahlreicher Oratorienaufführung bekannt und trat daneben als Sänger in der Gruppe für Alte Musik München auf. Seine Leitung an diesem Abend im Europäischen Kulturhaus im Schafhof war sowohl vom metrisch gleichmäßigen Puls bestimmt als auch davon, der Agogik der einzelnen Werke aus ihrer Zeit heraus gerecht zu werden.

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.