White Lies – Big TV: Leitmedium reloaded

Während das Fernsehen, etwa aufgrund mangelnder Interaktivitäts- und Spionageoptionen, an Bedeutung gegenüber dem Internet verliert, gewinnen die TV-Apparate an – Größe. Es scheint, als wollten White Lies mit ihrem neuen Album an diese divergierenden Verhältnisse anknüpfen, zu ihnen aufschließen und sie, letztlich, mit ihren auf Hormonausschüttung spekulierenden Stimmungskrachern überwinden: Big TV! Oder auch: Großes Kino!

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Sehen unverschämt gut aus: White Lies (Quelle: White Lies)

Sehen unverschämt gut aus: White Lies (Quelle: White Lies)

Nein, dem neuen Album von Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Lawrence-Brown – den White Lies aus Ealing, London – kann vieles attestiert werden, nur keine Zurückhaltung britischer Prägung.

Um den ersten Vergleich vorwegzunehmen: „Big TV“ klingt über weite Strecken nach den Las Vegas „Killers“. HNRG auf Poprock, für den Einsatz in Großraumdiskotheken auf der grünen Wiese, Kirmes-Karussellrunden oder für Ausflüge mit einem Lamborghini Gallardo Spyder im Lake District wohl kalkuliert und gut temperiert zugeschnitten.

Mit der ursprünglichen Nähe und Geistesverwandtschaft zu und mit den üblichen Verdächtigen (Joy Division, Interpol, Editors…) hat „Big TV“ kaum noch was zu schaffen. Think Big!

Interstellar overdrive

White Lies Big TV Cover Artwork (Quelle: White Lies)

White Lies Big TV Cover Artwork (Quelle: White Lies)

Würde eine weitere Mond- oder (die erste) Marslandung Gnade vor dem Glaubens-Kredit eines Milliardenpublikums finden, dass medial vernetzt vor Großbildschirmen wie besessen und besserwisserisch nach Unglaubwürdigkeiten fahndet?

Ja, es geht auch textlich um die großen Gefühle, die aus Liebe und, eben, Misstrauen gehäkelt werden, wobei die Ballade „Change“ an Schnulzigkeit kaum zu überbieten ist. Es fehlen die lebensnahen Kurzgeschichten, wie sie etwa auf dem Debutalbum „To lose my life“ sehr zu gefallen wussten („From the stars“).

Es dominieren Gazebo-Streicher, Ohrwurmcharakter („Mother Tongue“!) und Remmidemmi … was einen zweiten Vergleich nahelegt: Ultravox! Midge Ure dürfte sich an seine wilden Zeiten vor dem Fernseher erinnert fühlen, als er mit einer seiner ersten Freundinnen im Arm die ersten Musikvideos seiner epochalen Band bestaunen konnte. „Big TV“ eben, und allenthalben. Schönes Album!

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