Nirvanas In Utero wird zwanzig

„In Utero“ war der Anfang vom Ende einer der größten Rockbands der letzten 25 Jahre. Es ist das offiziell letzte Studioalbum von Nirvana und seine Veröffentlichung feiert im September 2013 das 20-jährige Jubiläum.

Man hätte ahnen können, dass es das letzte Album von Kurt Cobain wird: Seine ursprüngliche Idee für den Albumtitel war „I hate myself and want to die“.

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Foto: Verena Dürner

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Das hat die Plattenfirma noch verhindert, bei Nirvanas späterem Beitrag zum Beavis & Butthead-Sampler konnte sich Cobain dann durchsetzen und mit diesem Titel der ganzen Welt zeigen, wohin seine Gefühle tendieren.

Dass ein solches Album heute millionenfach verkauft wird, ist angesichts der aktuellen glattgebügelten Rockwelt kaum vorstellbar. „In Utero“ pfeift, kratzt und röchelt an allen Ecken und Enden, versucht mit aller Gewalt, aus dem Grungepop auszubrechen, und schafft das aber wegen der mitunter genialen Melodielinien Cobains und dem Mitgröhlcharakter mancher Refrains nicht.

„Dumb“, „Heartshaped Box“ und „Pennyroyal Tea“ sind melodiöse Popperlen – daran ändert auch der Versuch nichts, diese Stimmung durch die teilweise heftig verzerrten Gitarren und das harte Schlagzeug Dave Grohls zu zerstören. „Frances Farmer …“ und vor allem „Rape me“ können dank der wiederholten Textpassagen super mitgeschrien werden. Gerade letzteres ist eines der Lieder, mit denen so ziemlich jede Teenie-Garagenband der späten 90er die geplante Rockerkarriere begonnen hat.

Foto: Benedikt Dürner

Foto: Benedikt Dürner

Dann gibt es dazwischen noch die Chaoslieder, wie ich sie an dieser Stelle nennen möchte: „Scentless Apprentice“, „Milk It“ und „tourette’s“ sind Ausdruck blanker Wut, Angst und Frustration. Sie sind die eindeutigsten Beweise für einen Ausbruchsversuch, verhallen jedoch zwischen den oben genannten relativ ungehört und können als Pogonummern für Liveauftritte abgetan werden – auch wenn dies vermutlich nicht ihre ursprüngliche Intention war.

Alles in allem – und trotz dem Neben- und Durcheinander von Chaos und Harmonie – ist es eine runde Platte, die den Hörer mit „Gallons of Rubbing Alcohol …“ fragend und gespannt zurücklässt. Sie ist somit ein würdiges Vermächtnis, über das man zum 25. und vielleicht sogar zum 50. Todestag dieser unvergessenen Rockgröße immer noch diskutieren wird.

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