Mehr vom Leben als von der Liebe zu singen? 10 Jahre Love & Life

Mary J. Blige, 1971 in New York geboren, beurteilte ihr nun vor exakt 10 Jahren entstandenes Album Love & Life, das sie auf einer kurzen, aber bemerkenswerten Deutschlandtournee im September 2003 persönlich in Köln und Berlin präsentiert hatte, als Reise durch die alte Hiphop-Schule. „Sie nimmt einen mit an einen Ort, wo man sich erinnern kann, was man von dem Zeitpunkt an getan hat, als ed o.g. und The Bulldogs nicht mehr gefragt waren. Alles, woran ich denken kann, ist meine Anwesenheit in irgendwelchen Clubs als Mädchen für Alles oder auf einer Wohnblockparty.“

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Mary J. Blige (U.S. Navy photo by Photographer’s Mate 2nd Class Rob Rubio)

Die Phase der Aufarbeitung familiärer Probleme, in der noch No More Drama (2001) lag, wechselte mit der experimentellen Idee von Love & Life, die aber ebenso an das Thema der eigene Lebensgeschichte gebunden blieb: Love & Life war, von den Texten her gesehen, der Versuch, eine historische Situation zu erkunden, zu der sie außer Elternfotos kaum irgendwelche Erinnerungen hatte.
Doch war es die Annäherung an eine Alles in Allem glückliche Zeit, in der die Beziehung zum Vater als Musiker eine wichtige Stellung einnahm. Im Gespräch suchte Mary damals die Stimmung zu beschreiben, in der die aktuellen Stücke entstanden waren. „Viele vermissten Hits in der Art der beiden Alben My Life und What’s the 411“, doch sei ihr Plan gewesen, weiter zurückzugehen, „in meine Zeit als Heranwachsende, die Zeit des ersten Ausgehens und solche Dinge… und dieser Phase einen positiveren Ausblick auf das kommende Leben abzugewinnen.“

Die Tatsache, dass Puff Diddy für Love & Life bereits ein größeres neues Repertoire mitgebracht hatte und dass die geistige Idee hinter den einzelnen Nummern dann einfach auf die Stücke gesetzt wurde, zeigt nicht nur, wie die erneut versuchte Zusammenarbeit trotz längerer Distanzierung unwillkürlich in emotionaler Übereinstimmung gelingen konnte, sondern auch, dass Ausdruck und Inhalt in gewisser Weise adaptierbar und rekombinierbar geworden waren – dies mehr ein Erbe der Soulrezeption beider Musiker als eine Tradition des Hiphop.

Mit Puff gemeinsam wurden nur noch die Texte sortiert und geschliffen, manche jedoch weitgehender überarbeitet, wie in „Let me be the one“. „Wir hatten das Stück schon unter Dach und Fach“, berichtet Mary, „und änderten nur die Inhalte der Verse. Puff und seine vertrautesten Kollegen hatten die Rhythmen und die Musik schon dabei, er spielte sie mir vor, und das Meiste war sehr brauchbar, also suchte ich mir einfach eins aus.“

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.