Sopranrockerin Tarja Turunen kehrt zurück mit „Colours in the Dark“

Zugegeben, das Jahr ging für Tarja Turunen nicht gerade vorteilhaft los, und das obwohl sie sich gar nichts zu schulden kommen ließ. Dennoch verschwand sie ganz plötzlich von der gedanklichen Bildfläche der meisten Metalfans.

Bis vor kurzem war die Finnin immer noch in aller Munde als die zurück gewünschte Leadsängerin der Symphonic Legende Nightwish.

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Bunt geht's her im Hause Turunen (Album erschienen bei earMusic, Coverartwork von Dirk Rudolph

Bunt geht’s her im Hause Turunen
(Album erschienen bei earMusic, Coverartwork von Dirk Rudolph)

Doch da diese vor kurzem Floor Jansen als neue Mikro-schwingende Lady an Bord holten, verabschieden sich langsam die verzweifelten „We want Tarja back“-Schreie, sodass sich plötzlich wieder die Frage stellt: Was treibt die bildhübsche Soprano-Diva eigentlich jetzt, so ohne Nightwish, nach zwei Solo-Alben und einem Baby?

Zack, da isse wieder: Diesmal schillernd bunt mit ihrem neuen Album „Colours In The Dark“, das gleich in vier verschiedenen Editionen erscheint, sei es mit Buch, extra Download-Code für geheime Songs, Postern, T-Shirts und sogar einem Holi-Farbbeutel (mit dem man Nachbarn bewerfen kann, falls sie sich über das zu laute Geträller beschweren).

Doch nun zu der Musik selbst: „Victim of Ritual“ startet gleich – wie erwartet – mit einer dynamischen Mischung aus symphonischem Rock und Soprangebretter at it’s best, und macht sofort deutlich, was die kommenden sechzig Minuten zu erwarten ist. Nichts mit softem Pop-Gesäusel, keine süßen Elfenstimmchen, nein, wenn Tarja Turunen ihr Gesangstalent auftischt, kommt bei den Jung-Lauschern auch sicher gerne mal die Mutti rein und spricht Komplimente für den guten Musikgeschmack aus.

Mit ihrem Mix aus mal zärterem, mal richtig krachendem Rock und der Opernstimme spricht sie Hörer aus jeder Generation an, sei es mit dem heavy „Never enough“, dem mächtig innovativen Peter Gabriel Cover „Darkness“, oder dem episch geladenen und hörenswerten „Deliverance“.

Sauber arrangiert, überraschend gestaltet, dennoch fehlt meiner Ansicht nach auch hier wieder das entscheidende Etwas, das die Musik zu einem unvergesslichen Epos machen würde: Der Punkt, an dem die Songs die Seele erreichen. Wie bereits die letzten beiden Alben fließt auch „Colours In The Dark“ angenehm in die Ohren, ist solide und vermutlich sogar Tarjas bestes Soloalbum bisher, beinhaltet jedoch nur wenige Songs, die wirklich bohrend in einen eindringen und schmerzend süß die Pumpe treffen.

Ohne Diskussion gehört Tarja Turunen zu einer der besten Stimmen unserer Zeit, ihre Musik selbst hingegen leider nicht immer. Wer die letzten Scheiben liebte, wird sicherlich auch mit dieser glücklich werden und dass der Rock-Engel bereits genügend Fans um sich gesammelt hat, um wieder einen kommerziellen Erfolg zu verbuchen, steht wohl fest. In zwanzig Jahren noch Tränen in die Augen treiben vor Glück wird Colours in The Dark aber vermutlich nicht.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.