Eigenwillig, phantastisch und merkwürdig – Cocorosie in Bremen

Zugegeben, es ist nicht unbedingt leicht einen Zugang zu den experimentellen Klangwelten der beiden Schwestern Bianca und Sierra Cassady zu finden. Auf der Bühne beweisen die Musikerrinnen jedoch ihr wahres Können und ihr Verständnis von Performance-Art. So auch am Montagabend im Kulturzentrum Schlachthof.

Grotesk – so könnte man das Geschehen auf der Bühne an diesem Abend beschreiben. Sanfte, verträumte Harfenklänge, kombiniert mit Beatbox-Sounds und vermeintlich naiven Gesang, machen den Stilmix von Cocorosie aus. Kunst trifft auf Musik, Selbstinszenierung auf übertriebene Theatralik – sodass ihr Auftritt an sich bereits eine Form der Kunst darstellt.

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Cocorosie live  Foto: Dirk Haun

Cocorosie live
Foto: Dirk Haun

Wer sie zum ersten Mal erlebt, könnte das Treiben bizarr finden. Wer sie bereits einmal live erlebt hat, weiß, dass es ein Abend der Superlative werden wird.

Auf einer Wäscheleine, quer über der Bühne gespannt, hängen verschiede Kostüme. Während des Konzerts wechseln Bianca und Sierra Outfits und Make-up – mal barfuß im Brautkleid, mal derb in Latzhose.

Es handelt sich um eine inszenierte Choreographie inklusive Schminktisch, die nebenher auf einer Leinwand im Hintergrund durch Aufnahmen und mittgeschnittenen Livesequenzen begleitet oder untermalt wird. Farbenprächtig und melodisch-melancholisch zugleich mutet diese Bühnenshow an.

Ihr neues Album ‚Tales of a Grass Widow‘ und die dazugehörige Tour verbinden wummernde Synthesizerbeats mit engelhaftem Gesang, wie in der beim Publikum beliebten Single „After the Afterlife“.

Ein Highlight war sicher auch die Solo-Performance des Beatboxers TEZ, der mittlerweile seit Jahren mit den Schwestern tourt und als trauriger, absonderlicher Clown geschminkt im Zahnarztkostüm auftrat. Als Zugaben gab’s ‚Werewolf‘ und das Kevin Lyttle-Cover von ‚Turn me on‘ in Schürze mit Zylinder.

Als ich den Schlachthof verlasse, höre ich einen Konzertbesucher glücklich sagen: „Das war wie nach Hause zu kommen.“ Wie recht er doch hat.

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Über Emilia Gallas

Musikliebhaberin, Literaturwissenschaftlerin, freiberufliche Journalistin und Musikredakteurin aus Bremen. Elektronische Sounds sind ihr willkommen, alle anderen aber auch.