Massiv In Mensch: „The Cortex Zero Effect“ – Chance verpasst

Sie nennen es Dark Rave und ziehen damit schon seit einiger Zeit in der schwarzen Szene umher. Dabei werden sie mindestens genau so gehasst wie geliebt. Grund dafür könnte unter anderem ihr beißender Humor sein, der immer an der Schwelle zum Klamauk steht und den ach so ernsten Grufties irgendwie nicht bekommen mag. Dennoch stellen sich Szeneveteranen wie Ecki Stieg schützend vor die Band, die unter anderem auch schon für das Projekt „Kunst hinter Gittern“ ihr Set zwischen den sicheren Mauern einer JVA absolvierte.

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Massiv In Mensch kommen nicht aus dem Quark (Quelle: Advoxya Records)

Massiv In Mensch kommen nicht aus dem Quark
(Quelle: Advoxya Records)

Alles schön und gut, aber wann kommt der große Knall? Vielleicht mit dem neuen, mittlerweile siebten Album „The Cortex Zero Effect“? Leider Nein!

Nach wie vor beweisen die Musiker Daniel Logemann und Mirco Osterthun nicht nur, dass musikalische Grenzen für sie irrelevant sind, sondern legen mit den Coverversionen von „Popcorn“ (im Original von Hot Butter) und „Hello Hello“, ein fast vergessener Klassiker von New-Romantic-Legende Lars Falk, auch ihr Allgemeinwissen über populäre und alternative Musik offen. Doch wenn die fremden Federn, mit denen sich MIM schmücken, schöner schimmern als die eigenen, ist das problematisch.

Denn allen Stücken auf „The Cortex Zero Effect“ geht der Aha-Effekt ab. Die Ideen sind da, die Melodien bisweilen wunderschön, auch die Stimme von Anna-Maria Straatmann gehört zu den ausdrucksstärksten in der Schwarzen Szene. Doch die elektronische Musik wirkt angestaubt, auch wenn wie bei „Der Drops ist gelutscht“ mit aktuellen Dubstep-Strömungen geliebäugelt wird.

Die Aufnahmen wirken irgendwie flach arrangiert und bei Songs wie „Tanzmusik“ nicht zu Ende gedacht. Da nützen auch Gastmusiker und der erneute Einsatz von Schauspieler Rainer Schöne mit seiner gewaltigen Sprechstimme nichts. Massiv In Mensch stehen zwar auf dem Sprungbrett zu einer respektablen Szenegröße – sie springen nur nicht.

„The Cortex Zero Effect“ ist am 30.08.2013 erschienen (Advoxya Records)

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!