Satyricon – Satyricon. Bringt der Wein es nicht mehr, muss Black Metal her!

Auch die düstersten Seelen des Black Metal brauchen hin und wieder eine Auszeit. Fünf Jahre nach dem letzten Album „The Age Of Nero“ war es still um das norwegische Finsterduo, doch entgegen der klischeehaften Erwartungen, verbrachte Mastermind Satyr seine Zeit nicht damit, durch die Wälder zu spuken oder Kirchen abzufackeln, nein, der 38-jährige erzog sein Söhnchen, testete Weine und schrieb sogar ein Buch über diese. Doch bald trieb es ihn wieder in den Sog des zerstörerischen Sounds und die Arbeit an der achten und erstaunlicherweise „Satyricon“ betitelten Scheibe begann.

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Das achte, nach der Band benannte Album von Satyricon (Quelle: Roadrunner Records via Warner)

Das achte, nach der Band benannte Album von Satyricon (Quelle: Roadrunner Records via Warner)

Diesbezüglich ist Satyr kompromisslos, er weiß genau, was er will, wie er es will und aus dem Grund klingt das neue Album verdammt Old School: Ohne High-Tech-Effekte, ohne Verzerrer, es regiert einfach nur die pure Macht der Instrumente ohne digitalen Krimskrams. Auch sollte es keine wahllose Zusammenstellung von zehn Songs werden, sondern als klare Einheit wahrgenommen werden.

„Tro Og Kraft“ klingt die ersten Sekunden beinah unschuldig, doch dann setzt der Donnerschwall an hasserfülltem Gesang ein und sofort ist klar: Die Black Metal Tyrannen sind zurück. Oft im mittleren Tempo gehalten, für das Genre fast schleppend aber umso erdrückender kommen die zehn Stücke daher, „Nocturnal Flare“ erinnert stellenweise an die Single „Black Crow on a Tomb Stone“, während Necrohaven fast nach Rocksong alter Schule klingt, aber somit deutlich ins Ohr geht.

Besonders polarisierend ist wohl „Phoenix“, das als erster Satyricon Titel überhaupt mit cleanen Vocals daher kommt – gesungen nicht von Satyr, sondern Ex-Madruga Rocker Sivert Hoyem. Definitiv haben die Herren Satyr und Frost vielleicht nicht das Rad, aber ihre 23-jährige Band mit dieser Scheibe neu erfunden.

Doch damit nicht genug: Am Sonntag wird es noch einmal verdammt spannend, denn da treten die Norweger in Oslo live mit dem nationalen Opernchor auf und präsentieren sich erneut in einer anderen Facette. Ob es einen Livestream geben wird, wie geplant war, ist bisher noch nicht klar, aber falls dies geschieht, nenne ich das einen verdammt triftigen Grund, um „Tatort“ sausen zu lassen.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.