ANNA NETREBKO: VERDI. Die Operndiva als tragisch-hochdramatische Verdi-Heroine

Fast exakt 10 Jahre nach ihrem aufsehenerregenden Debütalbum bei der Deutschen Grammophon bringt nun Operndiva Anna Netrebko passend zum 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi, unnachahmlich begleitet von Chor und Orchester des Teatro Regio Torino unter der Leitung von Gianandrea Noseda, bei ihrem Haus-Label eine Verdi-Platte auf den Markt.

Anders allerdings als bei ihrem ersten Album, das verschiedene lyrische Arien von Berlioz, Bellini, Donizetti, Massenet, Mozart und anderen brachte und zu einem der erfolgreichsten Klassik-Titel überhaupt wurde, sind hier nun tragisch-hochdramatische Höhepunkte aus Verdi-Opern zu hören.

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Cover "Verdi" (c) Universal Music

Cover „Verdi“ (c) Universal Music

Netrebko hat damit ein sehr persönliches Album aufgenommen, wo sie Frauenfiguren darzustellen hat, die große Gefühle durchleben. Und es mag wenig verwundern: sie tut dies meisterhaft.

Ja, Anna Netrebko hat sich in den letzten Jahren verändert. Ihre Stimme hat mehr Substanz bekommen und an Farbenreichtum zugenommen, sie ist in neue Partien vorgestoßen und selbst ihre Bühnendarstellungen haben sich gewandelt und verfügen nun neben der ungeheuren Präsenz, die die Diva schon immer auszeichnet, über mehr Tiefgang als je zuvor. Damit ist es nur folgerichtig, dass sie sich vom lyrischen Fach löst und sich erstmalig an den großen tragisch-hochdramatischen Heroinen versucht, die Verdi für wirklich stimmgewaltige Sopranistinnen geschrieben hat.

Ein Wagnis für jede Sängerin, auch wenn sie Anna Netrebko heißt. Auf dem Olymp der Königsklasse des Verdi-Gesanges ist die Luft im sprichwörtlichen Sinn hauchdünn, da hier zahlreiche Kolleginnen ihre großen Fußstapfen hinterlassen haben. Wer denkt bei einer Lady Macbeth nicht an Birgit Nilsson oder Shirley Verrett, wer bei einer Leonora (Il Trovatore) nicht an die stupenden Interpretationen von Cheryl Studer oder Julia Varady oder bei Elena aus I Vespri siciliani nicht an Maria Callas?

Leider gelingt es der noch verhältnismäßig jungen Sopranistin Anna Netrebko nicht immer, über den Schatten ihrer Vorgängerinnen zu springen, aber was ihr glänzend gelingt, ist, dass sie ihre eigenen Interpretationen liefert, die nicht nur aufhorchen lassen, sondern den Vergleich mit den großen Vorbildern nicht zu scheuen brauchen. So gelingt ihr mit dem „Wahnsinnsmonolog“ aus Macbeth oder der Scena ed aria aus Il Trovatore mit dem berühmt-berüchtigten Miserere eine großartige Interpretation italienischen Belcantos.

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