Covenant – Leaving Babylon: Raus aus der Verwirrung

Raus aus Babylon! Das ist nicht nur ein Statement, sondern auch die knappste Zusammenfassung dessen, was die norwegischen Synthie-Pop-Gruppe in den letzten Jahren durchgemacht hat: Nach dem großen Erfolg ihres 2002er Albums „Northern Lights“ befand sich das Gespann in klanglicher Verwirrung. Experimente mit technoideren Elementen sowie der stärkere Einsatz von schroffen Rhythmen wie sie zuletzt auf „Modern Ruin“ zu hören waren, ließen die schlimmsten Befürchtungen wahr werden, dass die Band um Sänger Eskil Simonsson zusehends ihre eigentlichen Stärken – die Verknüpfung von hohem musikalischen Anspruch und gekonnt metaphorischen Texten mit der nötigen Portion Eingängigkeit – komplett aus den Augen verlieren würden.

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Melden sich gewaltig zurück: Covenant (Quelle: Dependent)

Melden sich gewaltig zurück: Covenant
(Quelle: Dependent)

Kurz gesagt: Covenant strapazierten mit ihrer Experimentierwut die Nerven der Fans gewaltig. Doch vielleicht war das nötig, um sich selber wieder zu finden. Denn was auf der neuen Scheibe „Leaving Babylon“ zu hören ist, entspricht so ziemlich genau den Zutaten, die den Erfolg von „Northern Light“ ausgemacht haben.

Eine Rückkehr zum eingängigeren Sound mangels Alternative, gar der Beginn einer Selbstkopie? Mitnichten! Natürlich erinnert der rigide Beat von „Prime Movers“ beispielsweise an „Call The Ships To Port“, und „Ignorance & Bliss“ ist nichts weniger als der legitime Nachfolger von „Bullet“. Der neu zusammengewürfelte Haufen (zu den beiden Gründungsmitgliedern Simonsson und Joakim Montelius wird die Mannschaft durch Keyboarder Daniel Jonasson und Gitarrist Andreas Catjar komplettiert) kopiert aber nicht das alte Material, sondern denkt es weiter.

Das Ergebnis sind unter anderem halsbrecherische Synthie-Girlanden bei „Thy Kingdom Come“, welche fast schon Qualitäten eines Werkes aus Bachs Wohltemperiertem Klavier aufweisen. Ein barockes Meisterwerk, dem auf der anderen Seite die minimalen bis experimentellen Tracks wie „For Our Times“ und das Quasi-Hörspiel „I Walk Slow“ gegenüberstehen. Es sind jene Stücke, in denen Sänger Eskil seinen vollen Stimmumfang in die Waagschale werfen kann und den teilweise sperrigen Rhythmusprogrammierungen wohlklingende Momente abgewinnt.

Schließlich entlassen Covenant mit „Not To Be Here“ den Hörer in eine warme Klangwolke, die Sicherheit und Geborgenheit verspricht und jenes bittersüße Lächeln auf die Gesichter der Fans zaubert, für das die Skandinavier bekannt geworden sind, bevor sie nach Babylon auszogen.

VÖ: 06.09.2013 (Dependent/Al!ve)

Hier ein Fan-Video zur aktuellen Single „Last Dance“

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!