Auftakt zu den Kirchenmusiktagen 2013 mit Mendelssohns Oratorium „Elias“

Am 14.9. eröffnet Thüringens Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth die diesjährigen Erfurter Kirchenmusiktage mit Mendelssohns Oratorium Elias, ein großes Projekt, das der jüdisch-deutsche Komponist über 10 Jahre verfolgt hatte und in dessen Zentrum der alttestamentarische Stoffkreis um den Propheten steht. Das Werk erlebte seine Uraufführung im August 1846 in der englischen Industriemetropole Birmingham. Es spielt das Mitteldeutsche Kammerorchester, unterstützt von der Kantorei der Augustinerkirche, wo das Konzert auch stattfindet. Die Vokalstimmen werden von namhaften Solisten getragen, etwa von Ute Selbig und Andreas Scheibner aus Dresden. 

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Dietrich Ehrenwerth am Dirigentenpult (Glaube und Heimat)

Die Auseinandersetzung zwischen Vielgötterei und dem Monotheismus steht im Zentrum des Textes, dessen Zweiteilung wohl begründet ist: Im ersten Teil des Elias erlebt der Zuhörer einen stark auftretenden Propheten, der sich auflehnt gegen die Vielgötterei der Königin im Nordreich, die als Kananäerin dem Baalskult anhing. Dagegen verlangter, alle Juden sollten sich dem einen Gott Jahwe zuwenden. Im zweiten Teil hingegen resigniert der Kämpfer und zieht sich des Lebens überdrüssig in die Wüste zurück. Als er schließlich wieder unter Leute geht, erlebt er, vor ihm darin Moses und später Christus ähnlich, die Erscheinung des einen Gottes persönlich.

Elias‘ Himmelfahrt sollte eigentlich nach Mendelssohns Plan das Stück abschließen. Doch gab er seinem konfessionell christlich ausgerichteten Ratgeber Schubring nach und komponierte noch einen Anhang, der mit der Vertonung von prophetischen Hinweisen auf Christus Verbindung zum Neuen Testament schafft.

Die Prophetie einer mehrjährigen Wasserknappheit durch den Propheten Elias, die den gesamten ersten Teil umspannt, wird durch drei absteigende Tritoni illustriert. In der Ouvertüre steigert sich das Orchester zu einem mächtigen Crescendo. Danach setzt der Chor mit einem Bittgebet und einem daran anknüpfenden A-capella-Rezitativ ein. Der Episode mit Elias und der Witwe von Zarpath folgt die Auseinandersetzung mit König Ahab und den Baals-Priestern. Die Rufe: „Baal, erhöre uns!“ werden von Elias mit „Rufet lauter!“ verspottet. Den Abschluss des ersten Teils bildet das großangelegte „Regenwunder“, begonnen mit einem Dialog zwischen Elias und einem Jungen, der den Himmel beobachtet, bis schließlich aus dem Meer eine kleine Wolke aufsteigt, die unter dem Jubel der Menge den ersehnten Regen hervorbringt.

Der zweite Teil beginnt mit der Arie „Höre, Israel“, ursprünglich der zu Mendelssohns Zeit weltberühmten Sopranistin Jenny Lind auf den Leib geschrieben. Er ist weniger dramatisch als der erste Teil gestaltet, enthält aber zahlreiche lyrische Momente, insbesondere die Arie „Es ist genug“, in der Elias‘ Resignation vollends zum Ausdruck kommt. Der zweite Teil zeigt also die bittere Niederlage des Propheten. Die Königin hetzt das Volk gegen den unbequemen Mahner auf, der in der Wüste von Engelschören auf den Berg Horeb begleitet wird und in der Begegnung mit seinem unsichtbaren und einzigen Gott den Höhepunkt seines Prophetenlebens erfährt. Er zieht erneut zum Kampf gegen die Götterverehrer aus und fährt am Ende seines Lebens in einem feurigen Wagen gen Himmel. Zum Schluss kündigt sich die Ankunft des Messias an, der sein Werk fortführen wird.

Beginn des Konzerts: 19.30 Uhr.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.