Carcass – Surgical Steel. Chirurgische Enthauptung.

An manche Dinge glaubt man nicht, aber sie passieren! Unfassbare siebzehn Jahre nach ihrem letzten Album sind die Death-Legenden Carcass wieder auf ihre Panzer gestiegen und legen ein Comeback hin, wie es sonst fast keiner Band gelingt.
„Surgical Steel“ ist zwar kein Black Metal, aber trotzdem Krieg! Wie Maschinengewehrsalben hämmern die Blastbeats hier durch die Lautsprecher, die Riffs knattern tödlich auf einen ein und jedes einzelne der Lieder wirkt wie das Gewitter von hundert zischenden Düsenjägern.

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Der OP-Tisch steht schon bereit (Foto: Adrian Erlandsson)

Der OP-Tisch steht schon bereit (Foto: Adrian Erlandsson)

Als die Engländer sich 2007 reformierten, war eigentlich nie die Rede von einem neuen Album. Sie tourten zwar unermüdlich um die Welt und bewiesen, dass sie keine Sekunde gealtert waren, als der axtschwingende Gitarrengott Michael Amott und Drummer Daniel Erlandsson sich zwei Jahre später jedoch wieder verabschiedeten um zu Arch Enemy zurückzukehren, schrumpfte die allgemeine Hoffnung auf ein weiteres Album. Doch weit gefehlt:

Carcass sind nun endlich zurück, mit einer Messerschneide an Scheibe, die so technisch, virtuos und aggressiv ist, dass einem Blut aus den Ohren spritzt. Und somit beweisen sie, dass sie keine der unzähligen Acts sind, die ein Comeback hinlegen, das zum allgemeinen Fremdschämen dient oder als lahme Kopie der Legende die Würde raubt. Jeff Walkers Vocals hacken einem nach wie vor den Kopf ab, wie schon die vorab erschienene Single „Captive Bold Pistol“ deutlich machte. Auch Bill Steer kratzt dem Hörer mit seinen Gitarrensaiten säuberlich die Haut ab, übertrifft sich noch einmal selbst mit seinen Soli und wer es tatsächlich geschafft hat, lebend bis zu dem letzten Track „Mount of Execution“ zu kommen, wird kaum glauben, was er da gerade für einen 48-minütigen Wahnsinn durchlebt hat.

Zugegeben: Die Fans hatten sich über Jahrzehnte ihre eigenen Lieblinge unter Carcass‘ Hitalben gesucht, deshalb wird Surgical Steel vermutlich nicht gleich als bestes wahrgenommen. Doch wer weiß, wie die Headbangergemeinde darüber mal in ein paar Jahren denken wird. Hut ab, kann man da nur sagen. Oder besser: Kopf ab!

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.