Musik in Syrien – Kultur unter erschwerten Bedingungen

In diesen Tagen schaut die Welt gebannt auf Syrien – und auf Washington, wo sich vielleicht das weitere Schicksal des Landes entscheidet. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass in Syrien ganz normale Menschen leben und leiden, Menschen mit Ängsten, aber auch Menschen mit einer Kultur und einer Musik, die Ihnen helfen, die Bedrohungen des Alltagslebens zu überstehen. Syrien verfügt sogar über eine besonders reiche Musiktradition, die für die gesamte musikalische Kultur des arabischen Westafrikas bestimmend ist.

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Zentren der Entwicklung waren dabei vor allem die Städte Damaskus und Aleppo, wobei die musikalischen Traditionen von Damaskus eher religiös orientiert sind, während in Aleppo der säkulare Bereich stärker eingebunden ist. Auch für die christlichen liturgischen Traditionen spielt Syrien eine wichtige Rolle.

Eines der Hauptgenres der syrischen Musik ist die Muwashsha. Sie geht zurück auf eine Strophen-Gedichtform, die ihre Wurzeln im muslimischen Spanien hatte. Bei dem daraus entstandenen musikalischen Genre wird der Gesang von einem Instrumentalensemble begleitet, bei dem die arabische Oud, eine Kurzhalslaute, eine prägende Rolle spielt.

Arabische Oud (Foto: Rainer Lewalter, Quelle: Wikimedia Commons)

Arabische Oud (Foto: Rainer Lewalter, Quelle: Wikimedia Commons)

Besonders die Stadt Aleppo ist für die Muwashshah bekannt, die international durch Sabri Moudallal populär gemacht wurde.

Während indes die traditionelle Musik, die in ihren unterschiedlichen Formen ziemlich klar auf bestimmte funktionale Bereiche bezogen ist, ihren relativ festen Platz einnimmt, hat die Musik insgesamt angesichts der zunehmenden Fundamentalisierung einen schweren Stand.

Denn die Haltung des Islam gegenüber der Musik ist keineswegs entschieden und besonders moderne Formen werden mit großer Skepsis betrachtet.
In Syrien stehen sie im diktatorischen Regime Bashar al-Assads unter zusätzlicher Beobachtung. Sämtliche musikalischen Aktivitäten werden von der Geheimpolizei streng überwacht. Währen der globalisierte Mainstream als Unterhaltung weitgehend geduldet wird, haben es musikalische Subkulturen extrem schwer.

Gruppen wie die Hip-Hop-Band Area 51 oder die Heavy-Metal-Band Zodiac haben kaum Chancen auf öffentliche Auftritte, die vorher von der Polizei genehmigt werden müssen. Und auch die Jazz-Musiker Rasha Rizk und Ibrahim Sulaimany sind weitgehend auf Veranstaltungen ausländischer Kulturinstitute, wie etwa des Goethe-Instituts, angewiesen (vgl. Die Gazette, Nr. 10, 2006).

Dennoch gelingt es Musikern wie dem international bekannten George Wassouf immer wieder, auch große Massen zu begeistern. Im Gegensatz zu vielen seiner syrischen Musikerkollegen konnte er bereits über 30 Alben veröffentlichen.

Die Aussichten für die syrischen Musikerinnen und Musiker sind derzeit äußerst düster, doch ist ihnen sehr zu wünschen, dass sie die reiche und inspirierende Musikkultur ihres Landes in eine hoffnungsvolle Zukunft hinüberretten können.

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