Emilie Autumn in München: Riot, Cabaret, Musical

Soviel ist sicher: Wenn Emilie Autumn zu Gast ist, wird nicht nur auf der Bühne, sondern auch davor etwas geboten. Denn so phantasievoll wie die Kostüme der Künstlerin selbst, haben auch ihre – vornehmlich weiblichen – Fans sich größtenteils in Schale geworfen. Bei all dem sehen und gesehen werden in der nur spärlich besuchten Münchner Freiheizhalle wird fast vergessen, dass es eigentlich die Show ist, weswegen sich hier alle versammelten. Diese fiel aber eher durch eine konfuse Dramaturgie auf, beziehungsweise ab.

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Emilie Autumn (r.) mit Captain Maggot (Foto: Antje Bissinger)

Emilie Autumn (r.) mit Captain Maggot
(Foto: Antje Bissinger)

Der Auftritt am 8. September in München war ein Beleg für die neue Emilie Autumn. Nicht nur rein optisch hat sie sich von ihrem Lolita-Image entfernt; sie entwickelte auch ihr Bühnenkonzept weiter. Seit längerer Zeit geht die Allrounderin nämlich mit dem Gedanken schwanger, ein komplettes Musical auf die Beine zu stellen. Die Konzerte scheinen dafür wohl der ideale Probenraum zu sein.

Anhänger der ersten Stunde werden an dieser Neuorientierung zu beißen haben. Denn Emilie verzichtet mittlerweile voll und ganz auf Live-Einspielungen. Selbst ihr virtuoses Violinenspiel läuft nur noch vom Band – scheinbar um sich auf die Performance zu konzentrieren. Damit verliert der Auftritt einer Frau, die ihren Sound „Violindutrial“ getauft hat, aber ihre Hauptattraktion.

Das wäre zu verkraften gewesen, wenn die schauspielerischen Darbietungen auf einem hohen Niveau sind. Nur wenn Emilie singt, werden ihre Choreografien glaubhaft, ihre Körperspannung bis in die Fingerspitzen sichtbar. In den Stand-Up-Passagen liegt sie jedoch deutlich hinter den Darbietungen ihrer Bloody Crumpets, dieses Mal nur aus Captain Maggot alias Maggy Lally und Veronica Varlow bestehend.

Zwischen diesen beiden Darstellerinnen wirkt Emilie verloren und ihr Mimenspiel wie eine leidlich bemühte Schultheateraufführung. Besonders Maggie zog mit frechem Charme und perfekter Bühnenpräsenz die Aufmerksamkeit auf sich und stach ihre Kollegin Veronica, eine hausbackenere Version von Dita von Teese, locker aus.

Nach einer Pause, die die Damen für einen Kostümwechsel nutzten, änderte sich das Konzept. Die Riotgirls wurden nun Teil einer Show, die dem Dark Cabaret der Dresden Dolls und dem Musical „Les Misérables“ entlehnt zu sein schien. Instrumentals, bei denen nichts auf der aufwendig präparierten Bühne passierte, zogen das Spektakel aber in die Länge. Eine straffere Dramaturgie hätte der Dynamik gut getan.

Alldieweil, die Fans störte dies nicht. Sie waren schon zu Beginn in Schunkellaune, als ein Medley alter Schellackaufnahmen das Publikum auf den Gig vorbereitete. Trotz der geringen Zuschauerzahl – es mögen vielleicht 200 Besucher in der Freiheiz gewesen sein – war die Stimmung ausgelassen. Und auch Emilie bedankte sich am Ende artig bei dem Münchner Publikum, das trotz weniger Kehlen eine beachtliche Lautstärke erzeugte.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!