Kasseler Museumsnacht: Visionen – gestern und heute

Zwei Skelette lugen rechts und links hinter einem Grabstein hervor. Dann schlüpfen sie heraus und passen ihre Knochen flott und biegsam den groovigen Rhythmen an, die dem Zuschauer aus den Kopfhörern entgegen swingen. Amüsant, gekonnt und wahrlich unterhaltsam – der „Skeleton Dance“, produziert Ende der 20er Jahre von Walt Disney. Zu sehen im Rahmen einer Ausstellung „tanz & tod“ im Museum für Sepulkralkultur. Dieser Tanz der Skelette gehörte zu den insgesamt 350 Events, die während der Kasseler Museumsnacht in mehr als 40 Museen und anderen Kultureinrichtungen stattfanden.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Foto: Sarah Zimmermann

Quer über die ganze Stadt verteilt, lockten die Kulturmacher damit mehr als 10.000 Menschen in ihre Häuser.

Weltkulturerbe

Interessant vor dem Hintergrund, dass Kassels Sightseeing Point Nr.1 – der Bergpark – dieses Jahr zum Weltkulturerbe erklärt wurde: Hätten sie das gedacht, die Herren Landgrafen und Kurfürsten, als sie ihre Visionen von europäischer Gartenkunst damals, vor mehr als 300 Jahren, in Szene setzten?

Tradition und Moderne treffen seit jeher auch im geschichtsträchtigen Museum Fridericianum aufeinander. Der klassizistische Bau dient heute als Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst. Die neue künstlerische Leiterin Susanne Pfeffer ist erst seit April in der Stadt. Pünktlich zur Museumsnacht zeigte sie eine Kostprobe von dem, was die Besucher künftig unter ihrer Regie zu erwarten haben.

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Foto: Kasseler Museumsnacht (mhk)

Die Museumsnacht- Aktion StudioVisits@Night zeigte, in welcher Form die technologischen Entwicklungen unser Leben im 21.Jahrhundert verändern. In den weiten Räumen der atmosphärischen Kunsthalle, die seit Mitte der 50erJahre stets auch Spielstätte der documenta ist, hatten die Besucher in dieser Nacht die Möglichkeit, mit Künstlern, Kuratoren oder Pressesprechern weltweit per Skype zu sprechen. Über deren Kunst, über Philosophie, über Grafik oder über Ausstellungskonzepte.

Video Walk durch den Kulturbahnhof

Jede Menge Kunst zum Anfassen, Mitmachen oder Zuhören hatte auch der Kulturbahnhof im Angebot. Knapp zehn Minuten Fußmarsch von der Kunsthalle entfernt wartete der „ Alter Bahnhof Video Walk“ auf Interessenten. Was ist wirklich, was ist Film? Ausgestattet mit einem tragbaren Mediaplayer, der von den Künstlern Janet Cardiff und George Bures Miller mit eigenem Filmmaterial vom Bahnhof bespielt war, ging es auf eine spannende Reise durch die Geschichte des alten Hauptbahnhofs. Dabei mischten sich Film und die eigene Wahrnehmung auf verwirrende Weise. Das Projekt stammt übrigens von der letzten documenta (13) und wurde im Anschluss der Weltkunstausstellung von der Stadt Kassel gekauft.

In der Caricatura, Galerie für Komische Kunst, gab Katinka Buddenkotte – brillant und witzig – zu später Stunde amüsante Einblicke in die „Achterbahnfahrt zwischen Schwerenötern, Schwermut und Schwermetall“ – Handfestes aus ihrem Roman „Betreutes Trinken“. Bevor die Autorin die kleine Empore betrat, waren die Besucher durch einen Rundgang durch die begleitende Ausstellung „Sommerakademie für komische Kunst 2013“ bestens eingestimmt.

Eine lange Nacht mit viel Programm für alle Generationen, spannenden Einblicken in das umfangreiche Kulturangebot der Stadt und Lust auf mehr.

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