Review: Dexter – S08E10 – Goodbye Miami

Daniel Vogel hat mother issues. Er ist eifersüchtig auf seinen Bruder, den er selbst einst im Pool ertränkte (wobei er seiner Mutter die Schuld dafür gibt), und er ist eifersüchtig auf Dexter, dem Dr. Evelyn Vogel in jüngster Zeit wärmste Aufmerksamkeit schenkte. Sohnemann sucht offenbar Anschluss, und den sucht auch der Zuschauer…

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Promophoto für die vorletzte Episode der letzten Staffel. Quelle: dexterdaily.com

Promophoto für die vorletzte Episode der letzten Staffel; Quelle: dexterdaily.com

An allen Ecken und Kanten des Serienplots geht es um „fehlgeleitete“ Liebe, den Wunsch danach oder eine Vorstellung davon: Dexter – Hannah, Quinn – Debra, Jaemie – Quinn, Evelyn – Daniel, Debra – Dexter…

Ein knuddeliges Kuddelmuddel, könnte man vielleicht sagen, aber die Serie spielt ja nicht in Beverly Hills 90210. Das Seifenopergefühl zwischen den ansehnlichen Cocktailfarben der Kamerabilder und dem easy-living-set-design vor Miami Beach lässt mich nicht mehr los. Da kann auch der blutige Kehlenschnitt am Ende der Laufzeit nichts retten. Speziell diese Szene erinnert mich irgendwie an das Metzelintro von Halloween H20 (1998), nur fand ich das damals wesentlich gruseliger. Dr. Vogel steht vor dem Fenster als hätte sie jemand dort abgestellt: Ihre Rationalisierungsmethoden und Psycho-Logik sind plötzlich hinfortgeblasen – einfach, weil sie dem totgeglaubten Kind eine zweite Chance schenken wollte. Rührselig, putzig, krude.  Auch unglaubwürdig, wenn man die Charakterentwicklung der Figur genauer unter die Lupe nimmt. Wo bleibt die Berufserfahrung? Hat die Doktorin eigentlich nen Vogel?

Aus der Frostbeule wird ein seelisches Wrack: Sie lässt sich von Daniel mit Schuldgefühlen belagern (üble Kindheit in einer Einrichtung für Geistesgestörte) und verspricht ihm professionelle Hilfe. Damit bekommt sie also tatsächlich noch die Möglichkeit, den perfekten Psychopathen heranzuzüchten, doch fehlt ihr das Feuer in den Augen: Dexter ist am Ende der privilegierte Sohn. Meinetwegen. Es ist vielleicht nicht ganz aus der Luft gegriffen, dass Vogel sich wegen ihrer verkorksten Muttergefühle auf den Pfad des Leichtsinns begibt, aber dass sie so dermaßen strauchelt, konterkariert den ihr zugeschriebenen Intellekt. Sie war es doch, die sich mit Harry Morgan einen perfiden Code ausdachte, um einen Serienkiller salonfähig zu machen.

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Über Bowls Götzke

Bowls Götzke | Musiker, Schreiber, No-Budged-Filmemacher, Manager, Künstler, Motto: .sTyle ist nicht alles, aber ein Tyle davon.