Dota im Interview: Von unbetonten Silben und Fremdbestimmungsängsten

Lassen sich nicht vereinnehmen: Dota und ihre Band (Foto: Sophie Krische)

Lassen sich nicht vereinnahmen: Dota und ihre Band
(Foto: Sophie Krische)

Du betreibst auch Dein eigenes Label, Kleingeldprinzessin Records. Anfrage von großen Plattenfirmen soll es schon gegeben haben. Was war der Grund, nicht zu unterschreiben?

Die Angebote waren wirklich sehr gut, aber ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl. Zum einen wegen der „Fremdbestimmungs-Angst“ in der öffentlichen Darstellung meiner Person, von der ich allerdings gar nicht sagen kann, ob diese Angst berechtigt ist. Schließlich habe ich ja nie die Erfahrung gemacht, bei einer großen Plattenfirma zu sein. Zum anderen ist mir der Gedanke unsympathisch, meine Musik und meine Ideen zum Investitionsobjekt von Anteilseignern zu machen.
Ein weiterer wichtiger Grund war die Loyalität zu meinem Indie-Vertrieb. Sie haben uns damals genommen, als uns kein Major gewollt hätte, und für den kleinen Vertrieb spielt es durchaus eine Rolle, ob wir dort sind oder nicht. Und wenn die kleinen Vertriebe eingehen, dann gibt es nur noch das, was die Majors auf dem Markt haben wollen, das ist keine gute Zukunftsperspektive.

Ein kleinerer Vertrieb bedeutet aber auch geringere Absatzzahlen und wenier Präsenz in den Medien, ob wohl Deine Texte mit zu den besten im deutschsprachigen Raum gehöre. Ärgert dich das, oder bist Du mit der Underdog-Rolle zufrieden?

Ich bin zufrieden, weil ich von meiner Musik leben kann. Aber ich würde mich schon sehr freuen, wenn öfter mal was im Radio liefe. Manchmal scheint es mir, dass die Musik-Redaktionen der Sender sich nicht trauen, den Hörern Texte von größerer Komplexität zuzumuten, oder Sorge haben ruhige Musik zu spielen. Da muss scheinbar eine ständige Aufgeregtheit dabei sein. Ich glaube, dass die Radiosender Hörer dazu gewinnen könnten, wenn mehr Schwankungsbreite in der Stimmung der Lieder erlaubt würde. Aber vielleicht irre ich mich da auch.

Die deutschsprachige Popmusik boomt nach wie vor. Was glaubst Du ist der Grund, dass die Menschen wieder mehr Songs in unserer Sprache hören?

Ich denke, es ist interessanter, Lieder auf seiner Muttersprache zu hören. Auf Deutsch kann man sich nicht so einfach hinter Phrasen verstecken, die verbergen sollen, dass es nur darum ging, einen Popsong zu schreiben und der Stimme des Sängers was zu tun zu geben. Wie es leider oft bei Pop-Produktionen der Fall ist.
Jedenfalls kann der Grund nicht sein, dass sich Deutsch gut singen ließe. Ich finde es für die Stimme schöner auf Englisch oder auf Portugiesisch zu singen. Auf Deutsch sind ständig unbetonte Silben dazwischen, die einem in die Quere kommen.

Vielleicht noch ein kleiner Blick in die Zukunft: Wird es da auch mal wieder Kollaborationen mit internationalen Musikern geben?

Hoffentlich. In der Vergangenheit gab es ja schon ein Duett mit Chico Cesár und dem brasilianischen Komponisten und Sänger Danilo Guilherme. Das war eine sehr schöne Zusammenarbeit. Ich hoffe, dass wir noch mal was zusammen machen können.

Als Straßenmusikantin hast Du angefangen. Kehrst Du bisweilen dorthin wieder zurück? Wie betrachtest Du diese Zeit heute?

Und wenn man anfängt Lieder zu schreiben und Lust hat, sie vor Leuten zu singen, ist ja nicht automatisch ein Publikum da, das sich dafür interessiert. So war es eine nahe liegende Idee, auf der Straße zu singen. Es war anstrengend und schön, vor allem, wenn ich mit Freunden zusammen auf der Straße unterwegs war. Ich bin aber trotzdem sehr froh, dass ich jetzt nur noch auf Bühnen singe. Es ist viel einfacher und macht mehr Freude.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!