Premieren am Theater Erfurt: Don Carlo, Krönung der Poppea

In die Herbstsaison startet das Theater Erfurt, eines der jüngsten Opernhäuser der Republik, unter seinem Chefdirigenten Samuel Bächli mit zwei großen Premieren, am 21. September 2013 mit Stefano Podas Inszenierung von Verdis Don Carlo, uraufgeführt in der Pariser Grand Opera am  11. März 1867 und am 10. Oktober 2013 im Studio der Erfurter Oper mit Bettina Lells Mise-en-scene von Monteverdis L’Incoronazione di Poppea, die 1642 am Teatro Santi Giovanni e Paolo in Venedig zum ersten Mal auf die Bühne kam.  Am Erfurter Theater weicht man gerne auch einmal vom Mainstream ab und inszeniert eine Barockoper wie zuletzt Händels Julius Caesar.

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Theater Erfurt (Andreas Praefcke)

Bereits mit Verdis Attila konnte Stefano Poda bei den diesjährigen Festspielen in Sankt Gallen einen großen Erfolg verbuchen. Kostüme und Bühnenbild werden von ihm wiederum in einer Person verantwortet. Für diese künstlerische Synthese ist der Italiener mittlerweile international bekannt, weshalb seine Inszenierungen als „gelungenes atmosphärisches Gesamtkunstwerk“ bezeichnet wurden.

Der Regie-Idee Podas entsprechend wird neben anderen innovativen Maßnahmen die komplette und moderne Bühnenmaschinerie des Theaters aufgeboten, Statisten stehen „von den Toten auf“ und nehmen während der Aufführung verschiedene Rollen an. Poda sieht nur die Musik selbst als gegeben und das Ergebnis als Ende eines „work in progress“ mit allen Beteiligten. Als Matinee wird es am Sonntag, den 8. September 2013 um 11 Uhr mit einer Werkeinführung  losgehen. Der Eintritt ist frei. Am Dienstag, den 17. September heisst es „Rang Frei!“ für einen kostenlosen exklusiven Probenbesuch. Die Premiere selbst findet dann am Samstag, den 21. September 2013, 18 Uhr im Großen Haus statt.

Claudio Monteverdis Oper um die Intrigen an Neros Hof nach einem Libretto von Giovanni Francesco Busenello war nach Orfeo (1607) und Il Ritorno di Ulisse in Patria (1640) sein drittes großes Bühnenwerk. „Die Krönung der Poppea“ (1641/42) wird an der Oper Erfurt in italienischer Sprache mit durchlaufenden deutschen Untertiteln gespielt. Musikalisch gesehen handelt es sich um einen Wendepunkt in der Operngeschichte: Der Komponist geht selbst kritisch vor und lässt einige Szenen des Librettos unvertont. Bei den Soloszenen kommt jeweils ein weiterer Akteur dazu, so dass lange ermüdende Monologe vermieden werden. Anstatt der genretypischen, vom Textdichter vorgesehenen Schluss-Apotheose mit Venus, Amor und Amoretten entscheidet Monteverdi sich für ein Liebesduett zwischen Poppea und Nero – auch dies eine Innovation auf dem noch jungen Musiktheater.

Zur Handlung: Die römische Aristokratin Poppea Sabina greift nach der Macht und bemüht sich die Liebe Kaiser Neros zu gewinnen. Dafür verlässt sie ihren Gatten Ottone, während der Kaiser seinerseits seine Gemahlin Octavia verstößt. Weder die Mahnungen des Philosophen Seneca am Kaiserhof noch das gemeinsam von Ottone und seiner einstigen Geliebten Drusilla geschmiedete Mordkomplott können das Liebesverhältnis von Nero und Poppeas in Frage stellen. Seneca entscheidet sich für den Selbstmord im Bad, die übrigen Protagonisten müssen in die Verbannung gehen. Auch inhaltlich betrachtet hat sich hier in Monteverdis Bühnenwerken ein deutlicher Wandel vollzogen: Nicht mehr die mythologische Welt der griechischen Helden und Götter wird vorgeführt, sondern der Zuhörer ist direkt konfrontiert mit von der Banalität des Bösen und der Intrige geprägten, allzu alltäglichen, da großenteils historisch bezeugten Begebenheiten einer menschlichen Realwelt, wenn auch entrückt an einen exponierten Ort der römischen Gesellschaft.

Die erste Vorstellung von „L’Incoronazione di Poppea“ in dieser Saison ist am Donnerstag, 10. Oktober 2013, 20 Uhr im Studio des Theaters Erfurt zu sehen.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.