Abdullah Ibrahim: A Celebration

„Ich habe schon immer, mein Leben lang, nach einem bestimmten Klang gesucht. Ende der sechziger Jahre, ich lebte zwischenzeitlich in New York, wurde diese Suche immer schlimmer. Ich fuhr Tag und Nacht durch die Straßen, ein rastloser Afrikaner in Amerika, der nicht begriff, was ihn umtrieb: Es war gar nicht der Klang, es war die Stille, die Stille in der Musik.“ Abdullah Ibrahim 2013 in einem Interview mit Stafanie Flamm, Quelle: Zeit online

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Abdullah Ibrahim

Abdullah Ibrahim: A Celebration, enja records 2004

Dieses Zitat von Abdullah Ibrahim beschreibt sehr treffend die Musik von Abdullah Ibrahim. Zum siebzigsten Geburtstag des Pianisten und Komponisten, der am 9. Oktober 1934  als Johannes Adolph Brand in Kapstadt geborenen wurde, hat enja eine Zusammenstellung seiner Kompositionen veröffentlicht, die, wie ich finde, einen überaus gelungenen Querschnitt aus dem Schaffen dieses außergewöhnlichen Künstlers zeigt.

Auf der CD befinden sich Einspielungen aus vier Jahrzehnten in verschiedenen Besetzungen, vom Solo Piano bis zum Trio mit Streichorchester. In einigen Stücken spielt Abdullah auch Saxophon, Flöte und ist als Sänger zu hören.

Die Weite und Ruhe seiner Klänge sind außergewöhnlich, seine Kompositionen und Improvisationen unterscheiden sich deutlich von denen amerikanischer und europäischer Jazzpianisten., wobei der Begriff Jazz die Musik von Adbullah Ibrahim nur unzureichend charakterisiert. Er selbst hätte sich nie als einen Jazzmusiker bezeichnet, sagt er daher auch.

Die Wurzeln seiner Musik liegen sowohl in der afrikanischen Musiktradition als auch in der europäischen Musik. Der amerikanische Jazz spielt in seinen Kompositionen eher eine untergeordnete Rolle, obwohl er natürlich von Monk und Ellington – der ihn in den sechziger Jahren in Zürich entdeckte – beeinflusst wurde. Abdullah Ibrahim arbeitet mit verschiedenen Stilistiken und stellt diese oft ganz unvermittelt nebeneinander, was den Reiz vieler Stücke ausmacht. Eine impressionistische Klavierkomposition entwickelt sich zu einem wilden Jazzstück mit Freejazzelementen oder eine getragene Hymne wird nach und nach immer mehr zu einem afrikanischen Tanz rhythmisiert.

Abdullah Ibrahim

Abdullah Ibrahim

Oft scheinen in einem Stück verschiedene Welten aufeinanderzuprallen, so wie auch im Leben von Abdullah Ibrahim, den es von Kapstadt über Zürich nach New York verschlagen hat, von wo er aber nach einer Weile wieder nach Europa zurückkehrte. Momentan lebt er in Bayern und Südafrika.

Vom verträumten Solostück „The perfumed Forest Wet With Rain“ bis zum trubeligen „African Marketplace“ überzeugt mich der gesamte musikalische Kosmos Abdullah Ibrahims, in dem es nichts Oberflächiges, dafür aber vieles Wunderschönes und Zeitloses zu entdecken gibt.

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Über Andreas Leclaire

Freischaffender Pianist, Gründer des Lakeside Jazzclub Schwerin