„Looking for Freedom“ bei Big Brother

Über das Format von Big Brother wurde schon viel geredet. Seit dessen Entstehung im Jahr 1999 in den Niederlanden ist es in über 70 Ländern angekommen, hat anfangs Einschaltquoten in Millionenhöhe erreicht und wurde als neues Gesellschaftsphänomen betrachtet. Soziologen, Menschenrechtler und zartbesaitete Fernsehzuschauer haben sich mit Grauen abgewandt, andere mit Hingabe die vielen, vielen Fremdscham-Momente genossen. Nun, in Zeiten der unzähligen Scripted Reality Formate haben die Überwachungs-Container aber längst an Brisanz verloren, und so bedarf es neuer ‚Highlights‘, um die Zuschauer anzulocken.

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David Hasselhoff und das Moderatorenteam @ http://connect.sat1.de/

David Hasselhoff und das Moderatorenteam @ http://connect.sat1.de/

Deshalb also nun ‚Promi Big Brother‘. Das Prinzip ist dasselbe: eine Handvoll Menschen werden eingesperrt und mit 70 Kameras Tag und Nacht beobachtet. So weit, so unspannend. Bei der mit viel Tamtam ausgestatteten Eröffnungsshow gestern Abend wurde dann auch schnell klar, dass es eigentlich nur um einen Promi geht. Nach einigen leichtbekleideten Kandidatinnen, die bei irgendeiner Castingshow irgendeinen Titel nicht gewonnen haben und Schauspieler/Innen auf Alkoholentzug kam als großes Highlight er: The Hoff.

Der Mann, der vor Jahrzehnten in Badehose den Baywatch-Strand auf und ab gerannt ist, der ein sprechendes Auto hatte und der mit seinem Hit ‚Looking for freedom‘ die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht hat. Der alternde Superstar David Hasselhoff, der den Schreien aus dem Publikum nach immer noch deutsche Hausfrauenherzen zum höher schlagen bringt, und der immer noch die blinkende Lederjacke besitzt, die er damals auf der Mauer getragen hat.

Wie ihn sein Management dazu gebracht hat, sich auf den zweiwöchigen Knastaufenthalt in Deutschland einzulassen, sei dahingestellt. Dass das ein oder andere Mal das Wort ‚Geld‘ gefallen sein dürfte, kann als gegeben angenommen werden. Zusprechen muss man dem tragikkomischen Helden von damals aber eine gewisse Form von Humor und Selbstreflektion. Der Satz „Two weeks?? Kitt, get me out of here!“ oder „Oh this is Celebrity Rehab!“ als Begrüßung an seine Mitbewohner machen ihn dann fast schon wieder sympathisch. Zu hoffen bleibt, dass Sat.1 den Teilnehmenden eine nicht zu kleine Summe überweist, leid tun können sie einem ja irgendwie, da auf dem sumpfigen Boden der medialen Unterhaltung liegend.

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