Gregorianischer Choral mit Orgelimprovisationen im Erfurter Dom

Am Dienstag, den 17.9. wird unter der Federführung von Prof. Silvius von Kessel, dem Domorganisten, ein seltenes Kapitel des heutigen (Kirchen-)Konzertlebens aufgeschlagen werden: der Gregorianische Choral. Ergänzt durch überleitende Improvisationen von Silvius von Kessel an der Orgel sind im Hohen Chor des Doms St. Marien die einzelnen Gesänge aus dem Graduale Romanum zu hören. Lukas Maschke, der im Sommer erst sein Konzertexamen im Fach Orgel abgelegt hat, leitet den Chor.

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Das Graduale, das Choralbuch der Katholischen Kirche, besteht der Tradition entsprechend aus den Teilen Introitus, Graduale, Halleluja, Offertorium und Communio. Eine erste authentische, also autorisierte Ausgabe des Graduales, das Medicæa, ist erst aus dem Jahre 1614 bezeugt. Die Fassung von 1974 sieht hingegen 8 Teile vor.

Das II. Vatikanische Konzil hatte in der Konstitution „Sacrosanctum Concilium“, Nr. 117, eine kritische Ausgabe der Bücher des Gregorianischen Chorals gefordert. 2011 erschien hierzu das so genannte Graduale Novum. Es berücksichtigt ausdrücklich den Fortschritt der liturgisch-musikalischen Studien zum Gregorianischen Choral und ergänzt die Quadratnotation der meisten Stücke mit adiastemischen Neumen. Das Graduale wurde erarbeitet von einer Arbeitsgruppe der 1975 gegründeten Internationalen Gesellschaft für Studien des Gregorianischen Chorals (ISCGre) und kann als offizielle Ausgabe gelten.

Das Choral- und Orgelkonzert beginnt im Dom St. Marien um 19.30 Uhr.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.